{"id":54343,"date":"2021-03-05T17:39:22","date_gmt":"2021-03-05T16:39:22","guid":{"rendered":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitungsverlag\/2021\/03\/05\/zum-islam-konvertiert-der-glaube-als-roter-faden-im-leben\/"},"modified":"2021-08-23T14:56:14","modified_gmt":"2021-08-23T12:56:14","slug":"zum-islam-konvertiert-der-glaube-als-roter-faden-im-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitung\/2021\/03\/05\/zum-islam-konvertiert-der-glaube-als-roter-faden-im-leben\/","title":{"rendered":"Zum Islam konvertiert: Der Glaube als roter Faden im Leben"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"teaser\">Jung zu sein kann an manchen Tagen ganz sch\u00f6n philosophisch werden: Wer bin ich eigentlich? Wer m\u00f6chte ich sein? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Auch wenn man sich diese Fragen vielleicht nicht immer so bewusst stellt, beeinflussen sie doch Jugendliche weltweit. Auf der Suche nach den passenden Antworten spielen Glaube und Religion auch heutzutage noch eine bedeutende Rolle. Wir wollen mehr dar\u00fcber erfahren, wie junge Menschen in Deutschland ihre religi\u00f6se Kultur ausleben. Toya Zurkuhlen (27) und Gelavije Zakeri (28) sind Muslima. Beide sind zum Islam konvertiert und das erste Mal \u00fcber die Musik in Kontakt mit ihrer Religion gekommen. <\/div>\n\n\n\n<div class=\"author\">Knut L\u00f6be, Funky-Jugendreporter <\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie seid ihr beide zu eurem Glauben gekommen?<\/strong><br><strong>Toya:<\/strong> Ich bin in einem kleinen St\u00e4dtchen in Mittelhessen bei einer sehr katholischen Familie gro\u00df geworden. Wir sind nicht nur an Weihnachten, sondern wirklich jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Dass ich mich mit dem Christentum nicht so richtig identifizieren m\u00f6chte, habe ich schon fr\u00fch gemerkt. Ich habe in jungen Jahren zwar alles mitgemacht und den Glauben auch gelebt, mich dabei aber einfach nicht wohl gef\u00fchlt. Im Teenageralter bin ich eigentlich gar nicht mehr in die Kirche gegangen und habe lieber vom Universum als von Gott geredet. Trotzdem gab es immer diese Sehnsucht nach einer spirituellen und religi\u00f6sen Praxis, die mir schon in meiner Kindheit Struktur und Kraft gegeben hat \u2013 auch wenn ich mich im katholischen Glauben nicht wiedergefunden habe. Durch das Hip-Hop-Tanzen bin ich dann zum ersten Mal richtig mit Muslimen in Kontakt gekommen. Ich fand es bewundernswert, wie selbstdiszipliniert und seelisch gesund sie auf mich gewirkt haben. Zu Beginn war da einfach dieses gro\u00dfe Interesse herauszufinden, was diese Menschen so beeindruckend, so g\u00fctig, lieb, gesund, diszipliniert und beeindruckend macht. Ich habe angefangen, mich mehr und mehr mit dem Islam zu besch\u00e4ftigen. So ist aus dem \u201eIch m\u00f6chte das wissen\u201c dann irgendwann ein \u201eIch m\u00f6chte das auch in meinem Leben haben\u201c geworden. Der Islam ist wie das Christentum eine abrahamitische Religion und war somit kein totales Neuland f\u00fcr mich. Vieles, was mir in meiner Kindheit mitgegeben wurde, besonders die Herzensbildung durch den Glauben, konnte ich einfach implementieren. Der muslimische Glaube ging meinem Gef\u00fchl nach noch einen Schritt weiter und hat mehr Sinn f\u00fcr mich ergeben. Mit 19 habe ich deshalb angefangen ihn zu praktizieren, das hei\u00dft, ich habe angefangen zu beten, zu fasten und keinen Alkohol mehr zu trinken. Richtig konvertiert bin ich aber erst mit 23. Im Islam f\u00fchle ich mich zuhause und angekommen. Es ist wie eine Reise, die meinem Charakter, meinem Herzen und meiner Seele guttut. Ich habe das Gef\u00fchl, diese Reise geht immer weiter und ich kann mit meinem Glauben immer weiter wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije: <\/strong>Toya ist durch den Hip-Hop zum Glauben gekommen. Auch bei mir war es die Musik, da ging es aber eher in Richtung Punk. Da war ich knappe 16 Jahre alt. Ich hatte schon immer Ber\u00fchrungspunkte mit dem Islam, weil ich mich schon fr\u00fch f\u00fcr Religion und alte Geschichte interessiert habe und meine Eltern aus dem Iran kommen. Wir haben in meiner Kindheit immer die ganzen Sommerferien dort verbracht, meine Eltern sind aber nicht religi\u00f6s. Im Teenie-Alter, besonders nach dem Anschlag vom elften September 2001, wurde ich immer h\u00e4ufiger mit dem Thema Frauenrechte im Islam konfrontiert. Den Fragen konnte ich irgendwann nicht mehr richtig ausweichen und wurde so mehr oder weniger dazu gedr\u00e4ngt, mich mit dem Islam zu besch\u00e4ftigen. In Deutschland und dem Iran sah ich viele unterschiedliche Kulturen \u2013 die arabische, kurdische und t\u00fcrkische Kultur \u2013 und besonders in meinem Umfeld habe ich ein ganz anderes Frauenbild erlebt, als es von au\u00dfen vermittelt wurde. Durch mein Umfeld habe ich also verstanden, dass es keinen pauschalen Islam mit Richtlinien gibt, an die sich Milliarden von Menschen halten. Ich habe gemerkt, dass das Bild in der Realit\u00e4t gar nicht so schwarz-wei\u00df ist, und das hat mich einfach interessiert. Es gab mir tats\u00e4chlich eine Art Underdog-Feeling: Mal gucken, ob das hier stimmt. Die Inhalte haben mich mit der Zeit auch emotional angesprochen, besonders die theologischen Fragen und die Auseinandersetzung mit dem Thema Frauen im Islam haben mich total gecatcht. So bin ich da irgendwie reingerutscht und wurde dann einfach Muslimin. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich das Glaubensbekenntnis gesprochen habe, weil es in meinem Herzen schon eine besiegelte Sache war. Es ist so ein bisschen wie Liebe und Beziehung: Das kannst du gar nicht rational erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie waren da die Reaktionen aus eurem Umfeld?<\/strong><br><strong>Toya<\/strong>: Nat\u00fcrlich war es erstmal schwierig, besonders weil das Christentum in meiner Familie traditionell eine gro\u00dfe Rolle spielt. Ich kann mir vorstellen, dass man sich erstmal vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlt, wenn man viel M\u00fche investiert hat, um dem Kind eine gute religi\u00f6se Basis zu geben und dann entscheidet sich das Kind einfach f\u00fcr eine andere Religion. Im Raum stand vor allem das gro\u00dfe: Warum der Islam? Reicht denn nicht das aus, was wir dir gegeben haben, an das wir alle glauben? Mir haben da insbesondere Gespr\u00e4che geholfen. Auf meinem Weg habe ich meine Familie St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck mitgenommen und immer versucht, so transparent wie m\u00f6glich zu sein: Mit welchen Leuten habe ich zu tun, in welche Moschee gehe ich und welche B\u00fccher lese ich gerade. Mir war es wichtig, meinen Eltern zu zeigen, dass ich nicht zu jemand anderem werde. Ich entscheide mich nicht gegen sie, nur weil ich mich f\u00fcr den Islam entscheide. Das erforderte Geduld, Diskussionen und jede Menge gesundes Streiten. Mein Weg wurde letzten Endes akzeptiert und angenommen, auch, weil meine Eltern gesehen haben, dass ich gute Menschen um mich herum habe und gl\u00fccklich bin. Ich bin so wie ich bin, auch wegen meiner Religion. Da kann man dann nat\u00fcrlich auch nur bis zu einem bestimmten Grad dagegenargumentieren, wenn man sieht, dass ja eigentlich alles gut l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije: <\/strong>Au\u00dferhalb meiner Familie gab es keine Reaktion, weil die Leute davon ausgegangen sind, dass ich immer schon muslimisch war. Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, die in gewisser Weise ein politischer Fl\u00fcchtling gewesen ist. Sie ist aus dem Iran geflohen, weil es dort eine, Zitat, &#8222;islamische Revolution&#8220; gab. Ihr Bild war dementsprechend von einem rein politischen Islam gepr\u00e4gt. Nat\u00fcrlich gab es deshalb Diskussionen bei uns, auch wenn meine Mutter mich anfangs eher beobachtet hat. Sie hat mir nicht viel reingeredet, aus Angst vor einer Trotzreaktion und der Sorge, ich k\u00f6nnte radikal werden. Ich glaube, h\u00e4ufig l\u00e4sst sich vieles auf diese Angst zur\u00fcckf\u00fchren. Auch wir haben nat\u00fcrlich oft miteinander gesprochen, diskutiert und gestritten. Es ist emotional, weil man einfach verstanden und akzeptiert werden m\u00f6chte. Wie Toya aber schon so sch\u00f6n gesagt hat: Wenn du dein Leben gut und gesund lebst, dann gibt es wenige Gegenargumente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Konvertieren und sich radikalisieren wird im \u00f6ffentlichen Bild des Islams h\u00e4ufig in Verbindung gebracht. Gelavije hat eben von der Angst ihrer Mutter berichtet. Hast du \u00e4hnliche Erfahrung gemacht Toya?<\/strong><br><strong>Toya:<\/strong> Es ist leider h\u00e4ufig eine direkte Assoziation mit dem Islam. Deshalb bekommen Leute, die im Westen aufgewachsen sind und sich dann f\u00fcr den Islam entscheiden, oft diesen Stempel aufgedr\u00fcckt. Auch bei meiner Mutter gab es zwischenzeitlich diese unbegr\u00fcndete Angst, die haupts\u00e4chlich da war, weil es vorher nie Ber\u00fchrungspunkte mit tats\u00e4chlichen Muslimen gegeben hat. Diese Sorge entw\u00e4chst vor allem den einseitigen Berichterstattungen, Nachrichten und Spielfilmen, in denen Muslime immer wieder als Terroristen dargestellt werden, die gestoppt werden m\u00fcssen. Auch von der muslimischen Community wei\u00df ich, dass extreme Lebenswandel, wo Leute von heute auf morgen streng konservativ muslimisch leben, erst einmal be\u00e4ugt werden. Ich pers\u00f6nlich habe das aber nicht erlebt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Du entwickelst eine Wertsch\u00e4tzung und einen Fokus f\u00fcr die eigenen Ziele und W\u00fcnsche.<\/p><cite>Toya \u00fcber die positiven Auswikungen des Islams auf ihr Leben<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie hat sich euer Leben positiv durch den Islam ver\u00e4ndert?<\/strong><br><strong>Toya:<\/strong> Ich glaube mein prominentestes Beispiel ist das Alkoholtrinken. In der deutschen Kultur wird Alkohol ja fast schon religi\u00f6s zelebriert, sei es jetzt das Oktoberfestbier, das Grillbier oder das Vatertagsbier. Ich bin genau mit diesem Verst\u00e4ndnis von einem unproblematischem Alkoholkonsum aufgewachsen. Durch den Islam habe ich zum ersten Mal ein Bewusstsein daf\u00fcr entwickelt, dass Alkohol auch eine Droge ist. Ansonsten tut es mir total gut, diese spirituelle Praxis im Leben und Alltag zu haben. Vieles was momentan als <em>Selfcare<\/em> oder <em>Selflove<\/em> auf Social Media im Trend liegt, wird seit Ewigkeiten vom Islam gelehrt und ist tief in ihm verankert. Bei den Gebeten geht es unter anderem genau darum: f\u00fcnfmal am Tag inne zu halten und dankbar zu daf\u00fcr sein, dass man gerade atmet, am Leben ist und im besten Fall keinen Hunger hat. Im Islam hei\u00dft diese Bitte<em> Du\u02bf\u0101\u2019<\/em>, auf Instagram w\u00fcrde man von <em>affirmation<\/em> sprechen. Du entwickelst eine Wertsch\u00e4tzung und einen Fokus f\u00fcr die eigenen Ziele und W\u00fcnsche. Der Islam gibt mir eine Struktur und ist wie eine Sinnfindung, bei der man sich selbst und die eigenen Gedanken st\u00e4ndig reflektiert. Ich glaube, das ist etwas sehr Positives.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije:<\/strong> Dem kann ich wirklich nur zustimmen. Es ist auf jeden Fall ein ethischer und moralischer roter Faden im Leben. Ich gehe mit einer ganz anderen Perspektive durch die Welt. Auch wenn ich in manchen Phasen und Monaten \u00fcberhaupt nicht bete, ist der Glaube immer eine sehr pr\u00e4sente Sache, die einen davon abh\u00e4lt, in dieser eher oberfl\u00e4chlichen Welt die Orientierung zu verlieren. Immer wenn ich das Gef\u00fchl habe, nicht weiter zu wissen, dann ist mein Glaube wie eine Guideline, die ich befolgen kann. Ich habe immer etwas, auf das ich zur\u00fcckkommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie engagiert ihr euch in der Community?<\/strong><br><strong>Toya:<\/strong> Wir beide sind bei dem Videoformat \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCF_oOFgq8qwi7HRGTJSsZ-g\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dattelt\u00e4ter<\/a>\u201c aktiv. Ich pers\u00f6nlich habe nach einem Praktikum 2018 fest dort angefangen. Unter anderem arbeite ich in der Produktion, bin aber auch f\u00fcr das Community Management und Castings verantwortlich und dabei immer in gutem Kontakt mit der muslimischen Community. Unsere Themen variieren von lustiger Satire bis hin zu sozialen Experimenten oder Generationsgespr\u00e4chen. H\u00e4ufig liegen unserer Arbeit sehr ernste und schmerzhafte Erfahrungen zugrunde. Das k\u00f6nnen Dinge sein, die Mitgliedern aus unserem Team, der Community oder in der Politik passiert sind. Obwohl einem bei den Themen manchmal eher zum Weinen zumute ist, bauen wir die Br\u00fccken lieber mit einem Lachen anstatt mit dem erhobenen Zeigefinger. Gelavije und ich haben au\u00dferdem die Plattform <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/niyah.narrativ\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDas Niyah Narrativ\u201c<\/a> mit einem eigenen Podcast gegr\u00fcndet. Der nimmt sich besonders der muslimisch konvertierten Community an, weil wir durch die Arbeit bei \u201eDattelt\u00e4ter\u201c gemerkt haben, dass es da noch eine gro\u00dfe L\u00fccke gibt. Gerade wenn man noch neu in seinem Glauben ist, kann man sich manchmal etwas verloren f\u00fchlen. Da ist es einfach sch\u00f6n, wenn man sich austauschen, seine Sorgen kundtun und W\u00fcnsche miteinander teilen kann.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es ist mein Sein, es ist die Art und Weise, wie ich Dinge sehe und durch die Welt gehe.<\/p><cite>Gelavije \u00fcber den islam in ihrem Alltag.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie integriert ihr den Glauben in euren Alltag?<\/strong><br><strong>Gelavije:<\/strong> Ich muss sagen, in unserem Fall geht das total gut. Bei \u201eDattelt\u00e4ter\u201c haben wir jederzeit die M\u00f6glichkeit zu beten. Mir pers\u00f6nlich f\u00e4llt es deshalb leicht. Im Allgemeinen ist es aber schwer da eine Abgrenzung zu machen und festzulegen, wann ich den Glauben in den Alltag integriere und wann nicht \u2013 er ist eben die ganze Zeit da. Es ist mein Sein, es ist die Art und Weise, wie ich Dinge sehe und durch die Welt gehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Toya: <\/strong>Wir beide sind nat\u00fcrlich in einer super einfachen Situation, weil wir in einer Produktionsfirma arbeiten, die mehrheitlich muslimisch ist und muslimische Themen behandelt. Dort wird ein total sch\u00f6ner Raum geschaffen. Auch im privaten Leben geht es mir \u00e4hnlich wie Gelavije. Das Beten kommt auch bei mir phasenweise. Im Alltag sind verschiedene Kleinigkeiten immer da: Dass man beispielsweise vor jedem Essen den Segensspruch <em>Bismillah<\/em> sagt oder am Morgen wertsch\u00e4tzt, dass man aufwachen durfte. Aber auch in Situationen, in denen sich meine Gedanken aufh\u00e4ngen und versteifen, ist der Glaube etwas, mit dem ich mich da immer wieder rausziehen kann. Ich kann innehalten, kurz durchatmen und alles einordnen. Au\u00dferdem regelt der Islam viel Zwischenmenschliches, also wie man sich im Miteinander verh\u00e4lt. Ich finde, der Islam spiegelt sich vor allem darin wider, wie du durch dein Leben gehst und mit deinen Mitmenschen interagierst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihr habt von schmerzlichen Alltagserfahrungen gesprochen, die ihr bei \u201eDattelt\u00e4ter\u201c verarbeitet. Gibt es etwas, dass ihr euch vom \u00f6ffentlichen Umgang w\u00fcnschen w\u00fcrdet?<\/strong><br><strong>Gelavije: <\/strong>Ich habe das Gef\u00fchl, dass ist eine sehr wichtige Frage, bei der wir nicht irgendetwas Belangloses sagen sollten. Diese Frage ist immer sehr schwierig. An sich w\u00fcnschen wir uns Liebe, Toleranz, Akzeptanz und mehr Weitsicht \u2013 ich glaube, so geht es allerdings allen, die nicht Teil der Dominanzkultur sind. Sei es, ob du homosexuell, muslimisch oder j\u00fcdisch bist, es ist immer der Kernwunsch, als vollwertiger Mensch gesehen und auch so behandelt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Toya:<\/strong> Ich finde, Gelavije hat es perfekt ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00fcrdet ihr sagen, in eurem Glauben spielt es eine besondere Rolle jung zu sein?<\/strong><br><strong>Toya: <\/strong>Ich w\u00fcrde eher sagen bei der Generation junger Muslime ver\u00e4ndert sich momentan etwas: Leute schaffen Dinge, sind laut und nehmen den Platz ein, der ihnen zusteht. Es ist toll ein Teil davon zu sein und einfach cool, dass wir gerade in einer Zeit Leben, in der wir nicht mehr darauf warten m\u00fcssen, dass uns Leute Sendepl\u00e4tze geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije:<\/strong> Und man dem WDR antworten kann! (Anm .d. Red.: Der TV-Sender WDR stand vor wenigen Wochen mit der Talkshow \u201eDie letzte Instanz\u201c in der Kritik, Rassismus reproduziert zu haben)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Toya: <\/strong>Genau! Wir alle haben durch die sozialen Medien ein Sprachrohr und dadurch hat sich wahnsinnig viel ver\u00e4ndert. Leute haben die M\u00f6glichkeit, ihre Stimme zu erheben und eine andere Art von Druck auszu\u00fcben. Dadurch entsteht ein ganz neues Gemeinschaftsgef\u00fchl. Es ist total sch\u00f6n, dass wir in dieser Generation die Freiheit haben uns hier in Deutschland selbst zu definieren und neu zu erfinden. Man hat das Gef\u00fchl, nicht mehr ganz so machtlos den Vorurteilen ausgeliefert zu sein wie man es vielleicht noch vor 20 Jahren war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije: <\/strong>Wir sind jetzt au\u00dferdem aus einer Generation \u2013 da spreche ich jetzt aus migrantischer Perspektive \u2013 bei der wir ganz klar sagen k\u00f6nnen, wir sind Deutsche, und wir haben absolut das Recht, laut zu sein. Unsere Elterngeneration, die hier neu war, vertrat durchaus auch selber die Meinung, hier fremd zu sein, weil sie keine Deutschen waren. Sie haben sich sozusagen gar nicht getraut etwas einzufordern. Das ist in unserer Generation ganz anders. Ich bin erst in der ersten Generation, zum Teil sind viele Freunde von mir aber auch schon in der dritten Generation hier. Wem willst du denn da noch erz\u00e4hlen, dass wir keine Deutschen sind.!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es etwas, auf das ihr besonders stolz seid bei eurer Community?<\/strong><br><strong>Toya:<\/strong> Ich bin stolz darauf, dass wir eine Community haben, die nicht m\u00fcde wird. Mich fasziniert, was junge Menschen an Kreativit\u00e4t und Talent mitbringen. Was viele aus ihrem Schmerz, aber auch aus ihrer Liebe zu Kultur, zu Tradition und dieser Religion schaffen ist einfach nur eine Explosion von Inspiration. Dass dieser Glaube soviel Sch\u00f6nheit mit sich bringt, darauf bin ich total stolz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelavije: <\/strong>Absolut. Ich bin stolz auf den K\u00e4mpfergeist und die Inspiration unserer Community. Toya und ich bekommen es gerade besonders mit, weil wir bei der <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/datteltaeter.academy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dattelt\u00e4ter-Academy <\/a>mitwirken. Ich sage dir, da gibt es soviel Talent, auf das man stolz sein kann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Toya und Gelavije sind in jungem Alter zum Islam konvertiert. 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