{"id":51868,"date":"2020-08-05T09:25:00","date_gmt":"2020-03-30T14:33:41","guid":{"rendered":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitungsverlag\/2020\/03\/30\/merhaba-aus-der-quarantaene\/"},"modified":"2020-08-05T15:26:26","modified_gmt":"2020-08-05T13:26:26","slug":"merhaba-aus-der-quarantaene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitung\/2020\/08\/05\/merhaba-aus-der-quarantaene\/","title":{"rendered":"Gefl\u00fcster aus der WG-K\u00fcche"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-circle-mask\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/funky.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/index.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-52505\" width=\"241\" height=\"241\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"teaser\"> Erwachsen, aber irgendwie auch nicht &#8211; das ist das Thema unserer Jugendreporterin Tess Kadiri. Zwischen Uni-Geb\u00fcffel und dem Umzug in die neue Stadt muss irgendwie der Mietvertrag unterschrieben und ein Nebenjob gesucht werden. Diese gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Zeit zwischen Unabh\u00e4ngigkeit und Abh\u00e4ngigkeit sorgt f\u00fcr so manch witzige Anekdote, die Tess in ihrer Kolumne \u201eGefl\u00fcster aus der WG-K\u00fcche\u201c mit uns teilt.<\/div>\n\n\n\n<div class=\"author\"> Von Tess Kadiri, funky-Reporterin<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alltagsrassismus to go<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugfahrten w\u00fcrden nur die wenigsten als angenehme Erfahrung beschreiben. Au\u00dfer vielleicht die strahlende Frau in der Werbung der Bahn, die sich anscheinend nichts Sch\u00f6neres vorstellen kann, als zwei Stunden lang in einem schlecht klimatisierten Abteil den Sitzplatz vor sich anzustarren. Mit der Deutschen Bahn kommt dann auch noch eine saftige Portion Unp\u00fcnktlichkeit zu dem Relaxation-Mix dazu. Einfach herrlich! Ich habe auf meiner Fahrt nach Berlin vor ein paar Tagen dann das wirklich gro\u00dfe Los gezogen. Nicht nur ICE-Fahren, sondern auch gratis Alltagsrassismus im Bordrestaurant gab es f\u00fcr mich to go, mit einer Prise Sexismus on top.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angefangen hat diese magische Reise f\u00fcr mich damit, dass ich es leider nicht geschafft habe, einen Sitzplatz zu reservieren. Um sieben Uhr morgens am K\u00f6lner Hauptbahnhof ging es los. Ohne Reservierung und v\u00f6llig planlos. Im Zug habe ich mich einfach irgendwo hingesetzt, in der Hoffnung, dass der Platz noch nicht reserviert ist. Ohne Reservierung dort zu sitzen, hat sich fast so illegal angef\u00fchlt, wie ohne etwas zu kaufen aus dem Supermarkt zu laufen. Deswegen \u2013 und auch wegen der Maskenpflicht \u2013 habe ich mich nach einer Weile entschieden, das Bordrestaurant zu suchen. Dort darf man 45 Minuten lang sitzen, die Maske absetzen und essen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So negativ, wie dieser kleine Trip endete, hatte dieser gar nicht begonnen. Ich war trotz des \u00fcberteuerten vegetarischen Angebots wirklich noch relativ positiv gestimmt. Ich durfte mich zwischen einem kalten Croissant und einer matschigen K\u00e4sebretzel entscheiden. Das war das gesamte vegetarische Angebot. Nachdem ich mir ein bisschen vegetarische Vier-Euro-Matsche sichern konnte, habe ich mich dann im Bordrestaurant niedergelassen. Nach vier Stunden endlich diese Maske absetzen zu k\u00f6nnen, waren mir die vier Euro definitiv wert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon beim Hinsetzen konnte ich die ersten Blicke auf mir sp\u00fcren. Die zwei M\u00e4nner neben mir schienen mich besonders im Blick zu haben, warum auch immer. Unter dieser Big-Brother-Beobachtung konnte ich erleichtert die Maske abziehen und meine vegetarische Pampe genie\u00dfen. Der Genuss wurde von einem der anderen Zugfahrer allerdings etwas getr\u00fcbt. Die meisten kennen wahrscheinlich diese Videos von YouTube-Verschw\u00f6rungstheoretiker*innen und den typisch unreflektierten Trump-Supporter*innen. Wenn man diese zwei Typen Mensch mit einem sehr unangenehm hohen Piepen verkn\u00fcpft, dann kommt man ziemlich exakt auf die Stimme dieser einen Person im Speisewaggon und ist auch inhaltlich auf derselben Welle unterwegs. Von \u201eb\u00f6sen Massenmedien, die nur L\u00fcgenpresse verbreiten\u201c bis \u201eJa, aber der Trump hat in mehreren Punkten schon recht\u201c war alles dabei. Ein erfrischender Mix aus Sinnlosigkeit und rechtem Gedankengut. Daf\u00fcr aber so wenige Fakten wie m\u00f6glich. Auf eine Diskussion hatte ich aber wirklich keine Lust, also habe ich ihn ignoriert und auf meinem Handy zwischen den Apps gewechselt, um m\u00f6glichst besch\u00e4ftigt zu wirken. Den Typen solltet ihr euch aber trotzdem merken, weil der sp\u00e4ter noch relevant wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt aber erst mal zur\u00fcck zu meinem Handy und den bohrenden Blicken der zwei M\u00e4nner neben mir. Es dauert circa f\u00fcnf Minuten, bis schlie\u00dflich ein Kommentar aus der Ecke kam. \u201eJoa, hallo. Sch\u00f6nes Wetter heute, nicht wahr?\u201c Hach, Small Talk. Lieb\u2019s. Nach ein paar Minuten belangloser Konversation fragt einer der beiden, den ich hier einfach \u201eRentner 2\u201c nenne, ganz freundlich: \u201eUnd, woher kommen Sie?\u201c Hmm. Wie antwortet man da als migrantisch gepr\u00e4gter Mensch? Man kann dem Opi nat\u00fcrlich direkt die erwartete und gew\u00fcnschte Antwort geben: einfach sagen, wo die eigenen Wurzeln liegen, also wo das \u201eNicht-Deutsche\u201c an einem herkommt. Oder aber man hat Spa\u00df an der ganzen Sache und \u00e4rgert ihn ein bisschen. Ich habe mich f\u00fcr Variante zwei entschieden und antwortete selbstbewusst: \u201eAus Bonn. Und Sie?\u201c Verdutzter Blick von Rentner 2. Kurzer Blickaustausch zwischen Rentner 1 und 2. Und dann das absolut epische Comeback mit einem kleinen Grinsen zur Untermalung von dem, was jetzt Wertvolles kommen sollte: \u201eOh. Liegt das denn in Deutschland?\u201c Jetzt kann es nat\u00fcrlich sein, dass der Gute nicht wei\u00df, dass Bonn in Deutschland liegt. War ja blo\u00df mal die Hauptstadt. Es kann aber auch sein, dass der Mann seinen \u201eHumor\u201c ohne Rassismus nicht auf die Kette kriegt. Ein Lachen hat er daher verst\u00e4ndlicherweise von mir nicht gekriegt. Habe ihn also blo\u00df ausdruckslos angeguckt und mich wieder meiner Matsche gewidmet. Die wirkte auf einmal sehr interessant. Das Anstrengende an Alltagsrassismus ist n\u00e4mlich, dass man als migrantisch gelesene Person nie wirklich wei\u00df, wie man mit so etwas umgehen soll. Da gibt es keinen Guide und die meisten Menschen verharmlosen die Erfahrungen, die man macht, mit der Begr\u00fcndung, dass man da was falsch verstanden haben m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesen ersten Kommentar hat sich noch eine Reihe an nicht korrekten Kommentaren angereiht, die mir Satz f\u00fcr Satz das Gef\u00fchl gegeben haben, dass ich nicht in diesen Raum reingeh\u00f6re. Das zog sich von einem Kommentar \u00fcber meinen K\u00f6rper und meine \u201eso sch\u00f6n s\u00fcdl\u00e4ndisch gebr\u00e4unte\u201c Hautfarbe bis hin zu einem Vergleich mit der S\u00e4ngerin Tina Turner, die, wie manche vielleicht wissen, schwarz ist. Ich nicht. Und auch sonst sehen wir uns in keinster Weise \u00e4hnlich. Aber irgendwie sehe ich anscheinend aus, als w\u00e4re ich ihr aus dem Gesicht geschnitten. Erinnere Rentner 2 einfach an sie. \u201eSo toll exotisch.\u201cAm Ende kam dann das absolute Highlight, die unbedingt n\u00f6tige Frage, die man als in Deutschland geborene und aufgewachsene Frau immer gerne h\u00f6rt: \u201eSie sprechen aber sehr gut Deutsch.\u201c Ich habe mich davor schon unwohl gef\u00fchlt. Jetzt war das allerdings sein ultimativer Powermove, um mir zu verdeutlichen, dass ich hier seiner Meinung nach eigentlich auch nicht hingeh\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas genervt habe ich mit einem \u201eWas soll das denn hei\u00dfen?\u201c darauf geantwortet. Hier wurde nicht nur der angesprochene Mann hellh\u00f6rig, sondern auch der Trump-Supporter ein paar Sitze weiter. Mit einem \u201eWas ist denn los? War das jetzt etwa schon Rassimus?\u201c mischt er sich ins Gespr\u00e4ch ein. Da sitze ich also mit den \u00dcberbleibseln meiner vegetarischen Matsche und das ganze Bordrestaurant guckt mich erwartungsvoll an. Was sagt Tina Turner 2.0 jetzt wohl? Das war f\u00fcr mich der perfekte Moment, meine Maske aufzuziehen und mich freundlich zu verabschieden. Ich h\u00e4tte nat\u00fcrlich auch anfangen k\u00f6nnen, mit dem Trump-Supporter dar\u00fcber zu diskutieren, dass seine Aussage \u201eAlte, wei\u00dfe M\u00e4nner k\u00f6nnen heutzutage nichts mehr sagen\u201c total bescheuert ist. Oder ich h\u00e4tte versuchen k\u00f6nnen, dem anderen zu erkl\u00e4ren, wieso man den K\u00f6rper einer 19-j\u00e4hrigen Frau nicht mehrfach kommentieren sollte. Aber ich wollte einfach Bahn fahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage:<\/strong>&nbsp;Nieder mit dem Patriarchat und dem strukturellen Rassismus, Habibis! Seid einfach nett zueinander. Danke.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Kinderwindeln und Palmen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230; oder auch: Warum Urlaub mit der Familie absolut nicht empfehlenswert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Studentin und broke, aber Urlaub machen w\u00e4re trotzdem nice &#8211; das war mein Gedankengang, als ich mich spontan dazu entschlossen habe meiner Mutter f\u00fcr den gemeinsamen Familienurlaub zuzusagen. Das und weil sie mich die letzten Woche st\u00e4ndig darum gebeten hatte, zur\u00fcck nach Hause zu kommen und ein paar Tage zu Hause zu verbringen. Mein Plan: eine Woche Urlaub und meine Familie will mich das restliche Jahr genauso wenig wiedersehen wie ich sie. Das Ding ist n\u00e4mlich, dass der Urlaub bei uns bei der Planung immer total erholsam klingt: erst mal Wanderurlaub in \u00d6sterreich, ein bisschen Roadtrippen mit dem Auto und dann schlie\u00dflich in einer riesigen Villa in Kroatien das Leben genie\u00dfen. Mit der Planung hat sich das dann aber meistens schon mit der Familienidylle. Eine Stunde lang im Auto h\u00e4lt der Traum vom erholsamen Urlaub manchmal sogar noch an. Aber danach: Vollkatastrophe. Die grunds\u00e4tzliche Stimmung auf Reisen ist immer sehr angespannt. Eine falsche Bewegung oder ein lautes Atmen und der Krieg beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundvoraussetzungen f\u00fcr den perfekten Urlaub legt meine Familie also ganz klar schon am Anfang: mit den ersten Streitereien im Auto. Im Urlaubsort angekommen steht dann meistens Cocktails schl\u00fcrfen und rumzicken auf der Tagesordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tag vier in Kroatien hat das nicht besser gemacht. Die Stimmung: grunds\u00e4tzlich immer angespannt. Am Fr\u00fchst\u00fcckstisch ist unser bitterer Gegner eine Armee an Wespen und abends befindet sich der Rest der Familie im Kampf um die Fernbedienung. Trotzdem versuchten sich an dem Tag alle zusammenzurei\u00dfen, weil eine Inselhopping-Tour mit dem Boot geplant war. Die Vorfreude hat dann ausnahmsweise mal die Abneigung gegen die anderen \u00fcberwogen. Jeder tr\u00e4umt auf dem Weg vor sich hin, bis wir dann auf dem Boot den k\u00fchlen Wind und die Aussicht genie\u00dfen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der ersten Insel angekommen wiederholt der Kapit\u00e4n mehrfach, dass wir in zwei Stunden wieder zur\u00fcck sein m\u00fcssen. Meine Mutter wiederholt es dann nochmal vier Mal und guckt dabei vor allem mich an. Wenn eine ihrer drei T\u00f6chter zu sp\u00e4t kommt, dann ja wohl ihre \u00e4lteste, die mittlerweile studiert und allein wohnt. Nicht die 7-J\u00e4hrige, die noch im Kindergarten ist oder meine andere Schwester, die mit dem ge\u00fcbten genervt-pubert\u00e4ren Blick einer 15-j\u00e4hrigen durch die Gegend blickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dem glasklaren Wasser und der s\u00fc\u00dfen Stadt vor mir sind mir die Ermahnungen meiner Mutter aber ziemlich egal und ich mache mich auf den Weg, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Ganz weit weg vom Rest meiner Familie. Ich wei\u00df schon, was ihr euch jetzt denkt: Das kann doch nur in einem Disaster enden. Und der ein oder andere ist sich bestimmt schon sicher, dass ich das Boot verpassen werde. Aber ich kann sehr stolz verk\u00fcnden, dass ich die Erste war, die zur\u00fcck am Boot war. Das lag vor Allem an einer anderen Frau vom Boot, die mich in der Stadt wiedererkannt hat und an die Uhrzeit erinnerte. H\u00e4tte die mich nicht zum Boot zur\u00fcckgelotst, w\u00fcrde ich vermutlich bis heute noch mit dem Typen im Souvenirladen den Preis eines Tellers aushandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich mich dann wieder gem\u00fctlich im Boot eingerichtet hatte, merkte ich pl\u00f6tzlich, wie das Boot sich langsam in Bewegung setzt. Der Kapit\u00e4n ruft auch ziemlich laut \u201eWe are leaving!\u201c.&nbsp; Erst dann f\u00e4llt mir auf, dass diese Ruhe eigentlich nicht normal ist. Und warum bin ich gerade eigentlich so entspannt? Ich bin doch eigentlich im Familienurlaub. Sehr ungew\u00f6hnlich. Das passt doch gerade irgendwie alles nicht, denke ich mir, w\u00e4hrend ich gedankenverloren in Richtung K\u00fcste blicke. Ach wie s\u00fc\u00df, da winkt mir meine kleine Schwester zu. Daneben meine Mutter. Wirken etwas schlecht gelaunt die zwei. Gut, dass ich an Bord bin. Irgendwann um den Dreh f\u00e4llt mir schlie\u00dflich auf, dass ich auf dem Boot bin, w\u00e4hrend der Rest meiner Familie an der K\u00fcste verzweifelt die Aufmerksamkeit des Kapit\u00e4ns zu gewinnen versucht. Ich wei\u00df, dass das jetzt vielleicht etwas herzlos klingt, aber ich habe mich nach diesem kurzen Blick zur\u00fcckgelehnt, mir meine Kopfh\u00f6rer in die Ohren gesteckt und mich auf die n\u00e4chste Insel gefreut. Meine Familie hat den Anschluss dann mit einem anderen Boot bekommen und nach der Inseltour erwartete mich ein gro\u00dfes \u201eWo warst du?\u201c, \u201eHast du uns nicht gesehen?\u201c und \u201eWieso hast du nicht auf unsere Nachrichten reagiert?\u201c am Hafen. Ein bisschen beleidigt, dass ich nicht auf sie gewartet habe, waren sie schon. Das war mir mein einziger richtiger Urlaubstag aber wert. In dem Sinne: Urlaub ja. Gerne. Familie nein. Ab jetzt mache ich wirklich nur Urlaub, wenn geil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zumindest erz\u00e4hle ich mir das, bis meine Mutter mich n\u00e4chstes Jahr wieder fragt, ob ich mitkommen m\u00f6chte und ich mit einem Auge auf meinen aktuellen Kontostand und dem anderen auf Hotel- und Flugpreise nur m\u00fcde nicke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand: <\/strong>Vollgepumpt mit Vitamin D. Immerhin bin ich braun geworden. Das kann mir keiner nehmen. Nicht mal die 100.000 geiernden Wespen hier.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Politische Debatten und Flaschendrehen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ich an der Unizeit sehr sch\u00e4tze, ist, dass die Menschen, mit denen man Zeit verbringt, um einiges politischer gestimmt sind. Zumindest im Vergleich zu den Leuten aus meiner Schulzeit. Ich musste allerdings mit der Zeit feststellen, dass das gleichzeitig Fluch und Segen sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, man kann sich endlich \u00fcber etwas anderes, als die Beziehung von Lukas und Marie und das Makeup von Anna unterhalten. Allerdings gibt es manch politische Meinung, die einen sehns\u00fcchtig an Gespr\u00e4che \u00fcber den sch\u00f6nsten Lipgloss zur\u00fcckdenken l\u00e4sst. Hach, die guten alten Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man gerade noch versucht hat, einen Ball in einen Becher zu bef\u00f6rdern und im n\u00e4chsten Moment mit einem AfD-Sympathisanten \u00fcber Rassismus, Angela Merkel\u2019s Fl\u00fcchtlingspolitik und Feminismus diskutieren muss, dann fragt man sich schon kurz, wo man im Leben falsch abgebogen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts sagen bei kleinen sexistischen, homophoben oder rassistischen Sticheleien,  bei \u201eWitzchen\u201c oder Kommentaren f\u00e4llt mir als meinungsstarke und laute Frau des 21. Jahrhunderts allerdings ziemlich schwer. Wer nichts sagt, der ist Teil des Problems. Ich bin eine \u00fcberzeugte Verfechterin dieser Theorie. Und genau deswegen sage ich dann auch: Hey, das war grad kacke. Mach das mal nicht so. Danke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deswegen will ich aber trotzdem nicht mit einem wildfremden Typen auf einer Party dar\u00fcber diskutieren, ob die Frauenquote momentan n\u00f6tig ist oder nicht. Wer A sagt, muss auch B sagen k\u00f6nnen, w\u00fcrden viele meiner Einstellung vermutlich entgegensetzen. Kann ich nat\u00fcrlich nachvollziehen, wobei ich allerdings anmerken muss, dass es das eine ist, eine ausschweifende Diskussion \u00fcber gesellschaftliche Problematik f\u00fchren zu wollen oder auf der anderen Seite einfach keine bl\u00f6den diskriminierenden Kommentare auf einer Party h\u00f6ren zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sage es hier noch einmal f\u00fcr die Allgemeinheit: Ich vermeide auf Partys eigentlich schon ganz gerne Diskussionen mit rechts eingestellten Menschen. Aber maybe that\u2019s just me.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong> Pro Feminismus und gegen rechte Typen auf WG-Partys.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Umzug auf Studenten-Budget<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ikeam\u00f6bel? Ja, um die nach Hause zu kriegen, braucht man doch keinen extra Transporter? Das kostet viel zu viel Geld. Geht bestimmt mit Bus und Bahn auch ganz gut. Spoiler zu Beginn: geklappt hat es schon. Es ist also m\u00f6glich. Ob diese Erfahrung aber zwingend n\u00f6tig war, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herausforderung des Tages war also: Einen Tisch und einen Spiegel vom IKEA in K\u00f6ln zu mir in die WG nach Bonn transportieren. Der erste Schritt meines Masterplans war, den richtigen Komplizen f\u00fcr meine Mission auszuw\u00e4hlen. Hansi nannte sich die Partnerin, f\u00fcr die ich mich schlussendlich entschied, die zwar um einiges kleiner ist als ich und deren Bizeps \u00e4hnlich wie meiner eher traurig bis nicht vorhanden ist, ABER die sicher ihr Bestes geben w\u00fcrde. Davon war ich \u00fcberzeugt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Morgens haben wir uns also auf den Weg zu IKEA gemacht. Alles lief gut, bis wir dann schlie\u00dflich mit zwei gro\u00dfen und schweren Paketen vor dem M\u00f6belhaus standen. Diese zwei Pakete vom Einkaufswagen auf den Boden zu kriegen, war schon schwierig genug. Liegt vielleicht auch daran, dass ich die Arbeit alleine gemacht habe und Hansi h\u00f6chstens als mentale Unterst\u00fctzung zugegen war. Ist aber auch ganz sch\u00f6n, einen pers\u00f6nlichen Cheerleader beim M\u00f6bel-Tragen zu haben. Kann mich also nicht beschweren. Die zwei Pakete vom Parkplatz vor dem IKEA in K\u00f6ln in meine WG im vierten Stockwerk in Bonn zu hieven, schien ein absolutes Ding der Unm\u00f6glichkeit zu sein. Nach drei Stunden Geschl\u00e4ppe und Gequetsche in Bus oder Bahn kann ich bis heute nicht glauben, dass wir (eigentlich eher ich, aber ich will nicht undankbar klingen, also bleiben wir aus H\u00f6flichkeit mal bei einem \u201ewir\u201c) es geschafft haben. Fazit: Lasst es einfach. Mietet euch einen Transporter. Aber immerhin braucht ihr dann in dieser Woche nicht ins Fitnessstudio gehen. Ich finde es absolut fair, diese abenteuerliche Reise als Leistungssport zu bezeichnen. Das ist aber absolut kein Pro-Argument. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand: <\/strong>Muskelkater. Immer noch. Wahrscheinlich geht der auch erstmal nicht mehr weg. Muss ich wohl f\u00fcr den Rest meines Lebens mit klarkommen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mitternachtstiramisu<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herd, Ofen und Sp\u00fclmaschine &#8211; f\u00fcr die meisten Menschen typische Behelfsmittel in der K\u00fcche. F\u00fcr mich so etwas wie der Endgegner bei &#8222;Super Mario Brother&#8220;. Mit der Sp\u00fclmaschine habe ich mich mittlerweile angefreundet, auch wenn ich noch ein Trauma von der Zeit zu verarbeiten habe, als ich unsere gesamte K\u00fcche auf mysteri\u00f6se Art in ein Aquariium verwandelt habe. Irgendwas mit \u201efalsche Einstellung\u201c und \u201edie Sp\u00fclmaschinen-T\u00fcr muss man richtig zu machen\u201c. Aber alles cool, ich bin mittlerweile weiter und unsere neue Sp\u00fclmaschine funktioniert nur, wenn die T\u00fcr geschlossen ist. Wenn ihr mich fragt, sollte sowas sowieso eine Voraussetzung sein &#8211; also ganz meine Schuld war das ja wohl auch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Herd und Ofen &#8211; da steht der Facebook-Beziehungsstatus leider immer noch auf \u201eEs ist kompliziert\u201c. Es f\u00e4ngt mit den schier unendlichen M\u00f6glichkeiten an. Es kann doch wohl nicht sein, dass ich die Einzige bin, die sehr oft aus Versehen die falsche Herdplatte anmacht, oder? Ja okay, es sind nur vier. Aber trotzdem! Meine Mutter hat nach dem dritten angebrannten K\u00fcchentuch mittlerweile eine Kindersicherung eingestellt. Jetzt wohne ich allerdings in Bonn, in einer WG. Das Spiegelei am Morgen ist immer wieder ein aufregendes Abenteuer f\u00fcr meine Mitbewohnerinnen: Macht sie erfolgreich ihr Fr\u00fchst\u00fcck ODER brennt die K\u00fcche ab? \u00dcbel nehmen kann man Ihnen das nach meinem letzten K\u00fcchenexperiment aber wirklich nicht. Abends hatte ich pl\u00f6tzlich Lust auf S\u00fc\u00dfkartoffelpommes. Also habe ich ein paar S\u00fc\u00dfkartoffeln in Scheiben geschnitten, \u00d6l drauf gestrichen und ab in den Ofen damit. Zwei Stunden sp\u00e4ter signalisierte der Rauchmelder uns dann, dass die Pommes wohl fertig seien. Gut, vielleicht noch etwas mehr als fertig. Wer die \u201eblack burnt sweet potato chips\u201c gerne zu Hause nachmachen m\u00f6chte: 1. Tut es nicht! 2. Einfach in den Ofen und dann eine Serie anfangen und vergessen, dass man da was im Ofen hat. Dann erreichen sie die perfekte, absolut krebserregende Stufe an Verbranntheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Ofen und Herd halte ich mich in letzter Zeit ganz gekonnt fern, wollte aber zum Geburtstag meiner Mutter trotzdem irgendetwas Essbares f\u00fcr sie machen. Tiramisu war da meine Idee, weil man daf\u00fcr weder Ofen noch Herd braucht. Damit kommen wir allerdings zu einem weiteren (sehr teuflischen!) K\u00fcchenger\u00e4t: dem Mixer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon gibt es wohl ganz viele verschiedene Versionen. Wer soll den bittesch\u00f6n wissen, dass ein Handr\u00fchrger\u00e4t etwas anderes ist als ein Mixer? Also stand ich da in der K\u00fcche und versuchte 20 Minuten lang vergeblich Eiwei\u00df zu schlagen. Wurde nix, also musste ich meine j\u00fcngere Schwester anrufen. Meine 13-j\u00e4hrige Schwester hat mich dann etwas m\u00fcde \u00fcber die Unterschiede aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieso m\u00fcde? Das ist der andere Clue bei meiner Idee\u2026ich hatte gegen 11.30 Uhr abends beschlossen das Tiramisu zu machen. Nach 30 Sekunden mixen mit dem richtigen Mixer ist mir dann aber eingefallen, dass ich Mitbewohnerinnen habe. Also bin ich aus der K\u00fcche in mein Zimmer umgezogen, um weiterzumixen. Da unsere W\u00e4nde d\u00fcnn sind, hatte ich schlie\u00dflich eine neue Idee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um euch nicht viel l\u00e4nger auf die Folter zu spannen: diese intelligenten Gedankenschl\u00fcsse f\u00fchrten schlie\u00dflich dazu, dass ich um Mitternacht an meinem Fenster stand, Mixer und Schl\u00fcssel mit Eiwei\u00df rausgehalten habe und so meinen Eisschnee gemacht habe. Das Problem: So ein Mixer ist wirklich erstaunlich laut. Das schien auch der verwirrte Pizzabote vor der Pizzeria um die Ecke zu denken, der verdutzt nach oben geschaut hat, um zu sehen, wie da eine Frau mit Sch\u00fcssel und Mixer zur\u00fcckblickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, es ist gar nicht mehr n\u00f6tig, zu erw\u00e4hnen, dass ich die Mission \u201eMitternachts-Tiramisu\u201c an diesem Punkt abgebrochen habe. Seitdem bin ich fast schon gl\u00fccklich, mit der Maske aus dem Haus zu gehen. Ich werde vermutlich in die Nachbarschaftsgeschichtsb\u00fccher als \u201eMitternachtsmixerin\u201c eingehen. Diese Story sogar meinen Kindern und Enkelkindern erz\u00e4hlen. Und zu Herden, \u00d6fen und jeglichen Mixern halte ich bis heute einfach sicheren Abstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand: <\/strong>Ich habe mich mittlerweile mit Lieferando abgefunden. Echt eine tolle Sache, diese Lieferdienste.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weiter geht\u2019s mit: \u201eGefl\u00fcster aus der WG-K\u00fcche\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Corona ist vorbei. Zumindest sieht die volle Wiese im Bonner Hofgarten mit den Gruppen sich umarmender und gemeinsam lachender Menschen danach aus. Wissenschaftlich fundiertes Expertenwissen war das gerade also nicht. Aber gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig ist da auf jeden Fall was dran. Woche f\u00fcr Woche werden die Masken im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenverkehr und beim Einkaufen immer normaler und auch Partys kann man mittlerweile anscheinend auch wieder ohne das schlechte Gewissen feiern. G\u00fctersloh hier mal ausgenommen. Aber Ausnahmen best\u00e4tigen ja schlie\u00dflich die Regel, weswegen ganz NRW das Ende in geselliger Runde ordentlich feiert. W\u00e4hrenddessen steigen die Infektionszahlen und Drosten warnt vor der zweiten Welle. Gut, die Infos sind momentan ja jeden Tag irgendwie anders, aber irgendwas wird an den Aussagen von Virologen zu Pandemie-Zeiten wohl trotzdem dran sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als im M\u00e4rz ist es aktuell aber defintiv schon. Corona ist langweilig geworden. Das merkt man schon, wenn man den Fernseher anschaltet: W\u00e4hrend man sich zuvor vor Corona-Berichterstattung kaum retten konnte, scheint sie mittlerweile fast in den Hintergrund geraten zu sein. Stattdessen besch\u00e4ftigt uns jetzt: #BlackLivesMatter, Polizeigewalt, Stuttgart und ein bisschen \u201eMimimi\u201c von Horst Seehofer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie die t\u00e4gliche Berichterstattung hat auch mein Leben sich mittlerweile ver\u00e4ndert. Ich bin nicht mehr den ganzen Tag zu Hause, treffe mich wieder mit Freunden und arbeite auch wieder. Was sich aber nicht ge\u00e4ndert hat, ist meine Lust daran, diese Kolumne zu schreiben. Deswegen \u201erebranden\u201c wir jetzt einfach mal, wie es die anglizistischen Profis der Medienbranche ausdr\u00fccken w\u00fcrden. Ganz so drastisch wie Miley Cyrus von der lieben Hannah Montana zu Wrecking Ball-Miley gehen wir die Sache nicht an, aber ein bisschen was Neues muss schon her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Kolumne soll daher von jetzt an einfach nur davon berichten, wie ich das Erwachsenwerden erlebe und wie der typische Alltag zwischen Vorlesungen und WG-Partys aussieht. \u201eGefl\u00fcster aus der WG-K\u00fcche\u201c ist die Kolumne die mich, eure Lieblings-Deutschmarokkanerin, durch verschiedene Stationen im Leben eines heranwachsenden Millenials begleitet. Wer also dabei sein will: Bitte hinsetzen, anschnallen und Maske aufsetzen &#8211; denn Corona ist noch nicht ganz aus der Welt, aber das Leben geht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ready? Okay, dann let\u2019s go mit \u201eGefl\u00fcster aus der WG-K\u00fcche\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong> Ganz leise und vorsichtig tippend in der WG-K\u00fcche, um keinen zu wecken. Aber hier ist das WLAN und das Licht einfach am besten!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tag 99<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestern war ein Tag, auf den ich wirklich nicht stolz bin. Dabei fing alles so positiv an. Morgens bin ich aufgewacht und direkt einkaufen gegangen, um ordentlich fr\u00fchst\u00fccken zu k\u00f6nnen. Der Plan war, dass ich den Tag mit der Hilfe meines Freund und Helfers Mister Kaffee zu einem erfolgreichen Arbeitstag mache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann stand ich aber im EDEKA und die M\u00f6glichkeiten waren: unendlich. Kennt ihr das, wenn ihr mit konkreten Vorstellungen von Lebensmitteln, die euch und eurer Gesundheit gut tun, einkaufen geht, und dann ist da diese EINE Abteilung? Diese eine Abteilung, die alle Hoffnungen und Tr\u00e4ume vom Healthy Fitnessblogger Lifestyle zerst\u00f6rt: die S\u00fc\u00dfigkeitenabteilung. Und mit meiner Ausbeute dort fing es dann an mit dem &#8222;Worlds most unproductive Day&#8220;. Zu Hause angekommen war\u2019s das dann auch mit dem geplanten gesunden Fr\u00fchst\u00fcck, weil sich aus Milkaschokolade und Kartoffelchips schwer eine nachhaltige Mahlzeit zaubern l\u00e4sst. Das mag so manchen RTL-Darsteller \u00fcberraschen, aber mit der ber\u00fchmten Aussage \u201eAn Apple a day keeps the doctor away\u201c sind nicht die sauren Gummischlangen mit Apfelgeschmack gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Logik hierbei ist vielleicht auch nicht die beste, aber wenn der Tag so anf\u00e4ngt, dann gibt es f\u00fcr mich einfach kein Zur\u00fcck mehr. Wenn schon, dann richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde zwar gerne eine erfolgreiche Businesswoman sein, aber an dem Tag ist es schlie\u00dflich schon beim Fr\u00fchst\u00fcck gescheitert. Warum also nicht einen ganzen Tag richtig sch\u00f6n rumgammeln? Im Bett ging es daher den restlichen Tag weiter, weil St\u00fchle wirklich nicht der gem\u00fctlichste Ort sind. Au\u00dferdem geht das mit dem Serien bingen und Chips essen im Bett einfach besser. Das Outfit, dass ich noch voller Hoffnung am Morgen angezogen hatte, musste dem Jogginganzug weichen. Fashion Faktor -6, aber das wird mit dem Gem\u00fctlichkeitsbonus von +20 alles wieder gut gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wei\u00df, dass das vermutlich auch nichts ist, womit ich angeben sollte, aber ich war am Ende des Tages schon von etwas Stolz erf\u00fcllt. Einfach zwei komplette Serien durchgesuchtet. Das nenne ich mal eine hingebungsvolle Investition in die eigene Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">A<strong>ktueller Gef\u00fchlszustand: <\/strong>Stolz. Richtig stolz. So wenig an einem Tag schaffen kann nicht jeder.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 89<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorgestern habe ich einen Artikel der Gr\u00fcnen-Politikerin Aminata Tour\u00e9 gelesen, der mit \u201eWildfremde Leute fassen einem in die Haare\u201c betitelt war. &nbsp;Leider ist der Artikel nur mit Zeit+-Abonnement abrufbar, wof\u00fcr mein Studentenkonto aktuell leider nicht ausreichend gedeckt ist. F\u00fcr Netflix und Spotify reicht es momentan gerade noch so, also musste ich mich mit dem Titel begn\u00fcgen. Aber als Deutsche mit nordafrikanischen Wurzeln (die man zumindest an meinen Haaren ziemlich gut erkennen kann) hat das trotzdem etwas in mir ausgel\u00f6st. Keine glatten Haare in einer mehrheitlich wei\u00dfen Gesellschaft zu haben ist n\u00e4mlich ziemlich tricky.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist, dass Locken nach Meinung vieler wei\u00dfer Menschen grunds\u00e4tzlich sch\u00f6n sind, beziehungsweise nach Meinung derer, die eben selbst keine Locken haben. Das Ding ist nur: Es h\u00e4ngt davon ab, was f\u00fcr Locken du hast. Wer sich die glatten Haare f\u00fcr einen besonderen Anlass mit dem Lockenstab lockt und perfekte Korkenzieherlocken aus dem nicht so widerspenstigen glatten Haar zaubert, der wird f\u00fcr die Lockenpracht bewundert. Wer allerdings jeden Morgen mit den gleichen widerspenstigen und zeitaufwendigen Locken aufwacht, der wird das nicht immer automatisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Punkt ist der Pflegeaufwand von Naturlocken: F\u00fcr die braucht es n\u00e4mlich besondere Produkte und eine intensive Pflege. W\u00e4hrend die deutsche Mehrheitsgesellschaft in einen DM reinl\u00e4uft und sich aus 10 Shampoos fast jedes mitnehmen kann, stand ich in meinen Teenagerjahren vor dem Regal und konnte gar nichts mitnehmen. Nichts. Mittlerweile gibt es circa zwei Produktlinien, die an Menschen mit Locken gerichtet sind, aber als ich Teenager war und versucht habe meinen K\u00f6rper und meine Haare zu verstehen gab es nicht wirklich viele Optionen\u2026au\u00dfer dem Gl\u00e4tteisen. Oder Onlineshops mit Produkten aus dem Ausland. W\u00e4hrend M\u00e4dchen mit \u201ewestlichem\u201c Haar also manchmal Wellen haben, die sie mit den richtigen Produkten zu Locken stylen k\u00f6nnen, konnte ich meine Haare entweder gl\u00e4tten oder in einen Zopf packen. Einfach, weil die Produkte hier noch nicht auf eine globalisierte Gesellschaft ausgerichtet waren und es auch heute noch nicht sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Standard ist mittlerweile nicht mehr: So sehen Deutsche in Deutschland eigentlich typischerweise aus, also m\u00fcssen wir solche Produkte anbieten. Sondern so sieht unsere vermischte und von anderen Kulturen stark beeinflusste Gesellschaft realistisch betrachtet aus. Und deswegen m\u00fcssen wir f\u00fcr eben diese Gesellschaft und diese Menschen Produkte anbieten. Es ist also nicht zu viel erwartet, dass ich als in Deutschland aufgewachsenes Girl mit Locken in eine Filiale einer der gr\u00f6\u00dften Drogerieketten des Landes laufen kann und eine Auswahl an mich ansprechender Produkte finden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als n\u00e4chstes ist es wichtig, \u00fcber die Art der Locken zu sprechen. Ich hatte bereits die mit dem Lockenstab gemachten Korkenzieherlocken meiner deutschen Freundinnen erw\u00e4hnt. Dann gibt es nat\u00fcrlich auch deutsche M\u00e4dchen, die Wellen haben \u2013 aber Haare wie ich oder andere M\u00e4dchen aus dem (nord-)afrikanischen Raum sie haben, habe ich bisher noch an keinem urspr\u00fcnglich deutschen M\u00e4dchen gesehen. Ausnahmen best\u00e4tigen hier nat\u00fcrlich wie immer die Regel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Locken waren in meiner Kindheit also nie sch\u00f6n, wenn \u00fcberhaupt vielleicht \u201einteressant\u201c. Bis ich endlich passende Produkte gefunden habe und verstanden habe, was ich damit tun muss. Meine nat\u00fcrlichen Haare sind also nicht unbedingt ein akzeptiertes Accessoire. An manchen Tagen sind da n\u00e4mlich keine perfekten Locken, sondern frizzy Haare oder was auch immer man da f\u00fcr negative Begriffe zur Umschreibung meiner Naturlocken nutzen will. Ich habe nun mal afrikanische Haare und manchmal haben meine Haare daher weniger engelsl\u00f6ckchenartige, sondern afrom\u00e4\u00dfige Z\u00fcge. Das gef\u00e4llt den Leuten nicht so, es gibt unglaublich viele negative Umschreibungen f\u00fcr jene Art von Haarstruktur. Und das musste man mir auch st\u00e4ndig ungefragt mitteilen. Ob es ein M\u00e4dchen ist, das ich erst vor einigen Wochen durchs Studium kennengelernt habe, die mir nach der Vorlesung sagt, dass meine Haare an dem Tag an Power verloren haben und etwas undefiniert aussehen (\u201eHingen heute irgendwie etwas traurig runter\u201c) oder Freunde aus der Schulzeit, die meine Haare mit denen jeder top gestylten lockigen Frisur im Social Media-Universum vergleichen und mir ungefragt Tipps geben: Jeder, aber auch wirklich jeder Mensch hat eine Meinung zu meinen \u201eexotischen\u201c, \u201einteressanten\u201c, \u201enicht richtig gek\u00e4mmten\u201c, \u201ewiderspenstigen\u201c, \u201ewie ein Busch aussehenden\u201c Haaren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund dieser Exotisierung sind meine Haare f\u00fcr die Leute ein Merkmal, das irgendwie allen geh\u00f6rt. Faszinierend, anders: Man will unbedingt mal anfassen und gucken. Wie Aminata Tour\u00e9 bereits schrieb: Wildfremde Leute fassen einem in die Haare. No shame there, so exotisch wie das f\u00fcr viele anscheinend aussieht, scheint das eine Einladung wie im Streichelzoo zu sein. Eines m\u00fcssen manche Leute aber verstehen: Ich kann hier nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr alle Menschen mit Locken sprechen, aber ich pers\u00f6nlich habe gar kein Problem damit, dass man mir in die Haare fassen m\u00f6chte. Aber ich ziehe die Grenze da, wo ich in den Augen anderer von einem Menschen zu einem Objekt werde. Wenn meine Freundin fragt, ob sie meine Haare ber\u00fchren darf, dann finde ich das grunds\u00e4tzlich schon etwas komisch, aber dagegen habe ich per se nichts. Aber wenn mehrere M\u00e4dchen und Erwachsene, die ich so gut wie gar nicht kenne als Gruppe meine Haare betatschen: Sorry, but that\u2018s just wrong.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Kolumnenpost richtet sich daher an den mir bis heute unbekannten Mann, der mir im Bus einfach ungefragt in die Haare gepackt hat, die Typen, die in meinen DMs eine seltsame Bezeichnung f\u00fcr meine Haare nach der anderen finden, das M\u00e4dchen, das mir w\u00e4hrend dem Unterricht vor all meinen Mitsch\u00fclern zugerufen hat, dass ich aussehe wie ein Cheerleader-PomPom und den Typen, der mir mit 15 mit ordentlicher Kraft durch die Haare gefahren ist und sich \u00fcber das \u201eungek\u00e4mmte Nest auf meinem Kopf\u201c lustig gemacht hat. Und an meinen Cousin, der mir erz\u00e4hlt, dass ich mit Zopf eigentlich ganz gut aussehe. Ohne die komischen Haare. Aber nat\u00fcrlich auch an die, die zuvor vielleicht nicht so genau \u00fcber ihre \u00c4u\u00dferungen zu der Thematik nachgedacht haben und demn\u00e4chst eventuell etwas reflektierter durch die Welt laufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong> Immer noch auf der Suche nach dem passenden Shampoo.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 82<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>George Floyd. Breonna Taylor. Oury Jalloh. Trayvon Martin. Michael Brown. Alton Sterling. Botham Jean. Atatiana Jefferson. Ahmaud Arbery. Matiullah J. Amad Ahmad. Achidi John. Yaya Jabbi. Laye-Alama Cond\u00e9. William Tonou- Mbobda. Hussam Fadl.&nbsp;Matiullah J.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einigen dieser Namen kenne ich die unglaublich traurige Geschichte dahinter. Andere h\u00f6rte ich auf der #BlackLivesMatter-Demo am Samstag in K\u00f6ln zum ersten Mal. Unglaublich, dass ich nicht schon vorher jeden einzelnen Namen im Schlaf wiedergeben konnte, wenn sie doch alle klare Regelungsl\u00fccken in unserem Strafverfolgungssystem beweisen. Verst\u00e4ndlich sind f\u00fcr mich somit auch die Proteste in Amerika, sowohl friedlich als auch nicht friedlich. Verst\u00e4ndlich ist f\u00fcr mich auch, dass hier in Deutschland nun die Stimmen lauter werden, die sagen: \u201eHey, das gibt es bei uns auch.\u201c Oury Jalloh ist zum Beispiel einer der Beweise von laienhafter und rassistisch gepr\u00e4gter Polizeiarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nachvollziehbar sind f\u00fcr mich hingegen die Diskussionen, die ich trotz alledem mit Freunden und Freundinnen, Bekannten und Familienmitgliedern f\u00fchren muss. Diskussionen \u00fcber die Existenzberechtigung der Bewegung oder die f\u00fcr mich nicht verst\u00e4ndliche Solidarisierung mit der Polizei auf Basis der eigenen Nicht-Reflexion der Regelungsl\u00fccken oder auf der Basis blinden Vertrauens in die Polizei als sch\u00fctzende Instanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solches Gespr\u00e4ch habe ich vor einigen Tagen nach der Demo mit zwei meiner Freundinnen gef\u00fchrt. Solche Unterhaltungen mit wei\u00dfen Freunden und Freundinnen und auch Mitstudenten und Mitstudentinnen sind, wie ich gemerkt habe, durch Unverst\u00e4ndnis gepr\u00e4gt. Was viele Wei\u00dfe nicht zu verstehen scheinen, ist, dass das Gespr\u00e4ch, dass man als wei\u00dfe Person vielleicht einmal die Woche mit dem&nbsp;Person-of-Colour-Freund (POC) f\u00fchrt, diese POC in derselben Woche auf \u00e4hnliche Art und Weise mit zehn weiteren Menschen f\u00fchren muss.So geht es auch mir: Im Endeffekt diskutiere ich immer wieder mit verschiedenen Menschen das gleiche Thema und h\u00f6re jedes Mal die gleichen \u201eArgumente\u201c. Argumente in Anf\u00fchrungszeichen, denn f\u00fcr mich ist eine Argumentation, die oft auf so viel Unwissen und Spekulation basiert, nicht tragf\u00e4hig. Mir ist egal, was theoretisch in einem vom Gegen\u00fcber kreierten hypothetischen Universum sein k\u00f6nnte, und mir ist egal, was nicht betroffene Personen denken, wenn wir zum Beispiel \u00fcber das Kopftuchverbot vor Gericht, das N-Wort oder Polizeigewalt in Deutschland reden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir erscheint es vollkommen logisch, dass man als wei\u00dfer Mensch nicht nachvollziehen kann, was schwarze Menschen, andere POCs, muslimische Menschen oder andere Minderheiten tagein, tagaus erleben. Daher sollte es zumindest normal sein, sich \u00fcber die einem zun\u00e4chst nicht verst\u00e4ndliche Thematik aktiv zu informieren. Sonst muss ich jedes Mal die gleiche Diskussion mit den gleichen Pseudoargumenten f\u00fchren. Wie auch vor ein paar Tagen. Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses immer gleiche Gespr\u00e4ch ist jedes Mal die gleiche: Dass man als Wei\u00dfer schlie\u00dflich noch nicht alles verstanden h\u00e4tte und durch diesen Diskurs mit mir \u201elernen\u201c m\u00f6chte. Schon wieder Anf\u00fchrungszeichen, denn daran verwirren mich zwei Dinge:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.<\/strong>&nbsp;Wenn ich im Unterricht oder in der Vorlesung sitze, dann tue ich das auch, um zu lernen. Aber ich rede da zun\u00e4chst nicht besonders viel. Ich h\u00f6re zu und nehme das auf, was mir gesagt wird. Nachdem ich dann etwas Wissen aufgenommen habe, trete ich schlie\u00dflich in den Diskurs, indem ich diskutiere. In den Gespr\u00e4chen, die ich gef\u00fchrt habe, gibt es diese ersten Schritte des Zuh\u00f6rens und Lernens allerdings nicht. Man kann meiner Meinung nach das Lernen und Verstehen aber nicht \u00fcberspringen. Wer diskutieren will, der muss vorher auch Recherchearbeit auf beiden Seiten des Spektrums geleistet haben. Das gilt vor allem, wenn man emotional keinen Zugang zu der Thematik hat und in einer Gesellschaft gro\u00df wird, in der man zu einer rassistischen Denkweise erzogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.&nbsp;<\/strong>Inwiefern kann man sich selbst als Person darstellen, die lernen will, wenn man sich mit Argumenten gegen die eine Seite und einer vorgefertigten Meinung in das Gespr\u00e4ch st\u00fcrzt? Dann vertritt man ganz klar eine Position zu einem Thema, bei der man als wei\u00dfe Person vielleicht einfach leise sein sollte. Vor allem wenn man weder Wissen hat noch emotional nachempfinden kann, was Minderheiten erlebt haben oder auch f\u00fchlen.Genau das habe ich mir als nicht-schwarze POC auch gedacht, als ich bei der Demo war. Ich habe zugeh\u00f6rt, mir wichtige Statements aufgeschrieben und \u00fcber schwarze Geschichte und Unterdr\u00fcckung gelernt. Wenn ich jetzt aufgestanden w\u00e4re und mit einem Mikro in der einen und meiner vorgefertigten Meinung in der anderen Hand gesagt h\u00e4tte: \u201eJa, also, so sehr habe ich mich \u00fcber eure pers\u00f6nlichen Erfahrungen jetzt nicht informiert, aber ich finde, dass es etwas kritisch ist, nur schwarze Leben zu priorisieren, weil ich ja auch mal diskrimiert wurde\u201c \u2013 das w\u00e4re ziemlich dumm gewesen. Genauso dumm ist es auch, mit solchen Aussagen auf deinen migrantisch gepr\u00e4gten Freund oder deine Arbeitskollegin mit Kopftuch zuzugehen. Bullshit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I know my place und ich wei\u00df, dass ich nicht auf der Demo war, um meine Meinung als Nicht-Schwarze zu teilen. Also stand ich da und habe zugeh\u00f6rt, um mehr und besser zu verstehen. So interpretiere ich das Lernen \u00fcber die Erfahrungen anderer POCs. Und genau das erwarte ich auch von meinen wei\u00dfen Freunden und Freundinnen und meinen nicht-schwarzen POC-Freunden und -Freundinnen genau wie auch von mir selbst, wenn wir uns in Situationen befinden, in denen wir nicht aufgrund von pers\u00f6nlichen Erfahrungen sympathisieren k\u00f6nnen, sondern uns zun\u00e4chst Wissen aneignen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier aus gegebenem Anlass ein paar Buchempfehlungen:<br><strong>\u201eExit racism\u201c<\/strong><em>von Tupoka Ogette<\/em><br><strong>\u201eWas wei\u00dfe Menschen nicht \u00fcber Rassismus h\u00f6ren wollen, aber wissen sollten\u201c<\/strong><em>&nbsp;von Alice Hasters<\/em><br><strong>\u201eDeutschland Schwarz Wei\u00df: der allt\u00e4gliche Rassismus\u201c<\/strong><em>von Noah Sow<\/em><br><strong>\u201eBlack Feminist Thought\u201c<\/strong><em>von Patricia Hill Collins<\/em><br><strong>\u201eSo You Want to Talk About Race\u201c<\/strong><em>von Ijeoma Oluo<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage:<\/strong>&nbsp;\u00dcberw\u00e4ltigt von dem krassem Support auf der einen Seite und traurig \u00fcber Unverst\u00e4ndnis und White Fragility auf der anderen Seite.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 77<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst von mir gedacht h\u00e4tte ich es nicht, aber ich bin tats\u00e4chlich ein kleines self proclaimed Sensibelchen. Eine richtig beh\u00fctet aufgewachsene, noch nie im Leben zum Arbeiten einen Finger ger\u00fchrte Vorstadt-Gymnasiastin. Ich habe gelernt: Ich bin anscheinend einfach zu verw\u00f6hnt f\u00fcr wirklich harte Arbeit. Wenn man Kellnern denn in die Kategorie \u201eharte Arbeit\u201c stecken m\u00f6chte, was ich jetzt einfach mal mache. Mein Gedanke davor war eigentlich, dass das DER Job w\u00e4re, den man als Studentin oder Student irgendwann mal gemacht haben muss. Dass das so leicht ist, dass es ja irgendwie jeder k\u00f6nnen m\u00fcsste. Aber so leicht ist das G\u00e4stebedienen und Tellertragen dann doch nicht \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angefangen hat alles damit, dass ich mich vor ein paar Tagen nichts ahnend in einem der vollsten und gr\u00f6\u00dften Eiscaf\u00e9s Bonns beworben habe. Der Laden sah cool aus, und wer mag schlie\u00dflich kein Eis? Ein Traumjob, dachte ich mir, und zwischendurch kann ich bestimmt eine Kugel Eis snacken.So sa\u00df ich dann im Caf\u00e9 und habe auf mein Gespr\u00e4ch mit dem Chef gewartet. Etwas versp\u00e4tet kam der ziemlich gestresst hinein und wir haben gleich ein Probearbeiten f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag verabredet. Daf\u00fcr, dass ich im Endeffekt nur vorbeikomme, um kostenlos und ohne \u2013 durch einen unterschriebenen Arbeitsvertrag \u2013 gesicherte Rechte zu arbeiten, habe ich mich echt ziemlich gefreut. Gastro-Arbeit ist allerdings auch nicht unbedingt bekannt f\u00fcr rechtlich nachvollziehbare Vorg\u00e4nge. Ich bin zwar erst im zweiten Semester meines Jurastudiums, aber das kann ich definitiv best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein anf\u00e4nglicher Optimismus hat dann auch nicht lange angehalten. Die Luft war schon so ziemlich raus, als ich zwei Minuten zu sp\u00e4t und vom Rennen verschwitzt ankam und \u00c4rger wegen der Versp\u00e4tung bekam. Als ich danach die Arbeitsbluse schnell anprobieren musste, war die eine Gr\u00f6\u00dfe zu eng und die andere zu weit. Tough choice also, aber aus Angst, dass am Ende ein Knopf abspringt und einen Kunden statt eines Schokostreusels eine etwas andere \u00dcberraschung erwartet, habe ich schlie\u00dflich die Variante \u201eKartoffelsack in Bordeauxrot\u201c gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich will wirklich nicht eitel klingen, aber das Caf\u00e9 liegt im Stadtzentrum und w\u00e4hrend der ersten zwei Stunden haben mich schon mehrere Leute aus der Uni wiedererkannt. Wenn diese Menschen, die mich seit Wochen coronabedingt nicht t\u00e4glich gesehen haben, ein verschwitztes, rotes Zelt mit noch r\u00f6terem Gesicht wiedertreffen, dann ist das irgendwie keine optimale Situation. Ein K\u00fcndigungsgrund war das aber nat\u00fcrlich noch nicht, so schlimm bin ich auch wieder nicht, keine Sorge. Stattdessen habe ich mir die Maske so tief ins Gesicht gezogen, wie es nur geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ging es dann weiter. Hin- und herlaufen, nichts fallen lassen, Tische wischen und alle 50 Eissorten verstehen \u2013 das ist echt nicht easy. Von allen Seiten erkl\u00e4ren einem die Kollegen die Tischnummern anders, Kunden beschweren sich bei dem einen \u00fcber die Fehler der anderen und der Chef hat wegen des stressigen Arbeitsalltags chronisch schlechte Laune. Also den kann man eh nicht zufriedenstellen. Deswegen erkl\u00e4rt dieser mir auch immer wieder, dass ich an Inkompetenz anscheinend schwer \u00fcberboten werden kann. Warum ich es \u00fcberhaupt noch versucht habe und nach einer Stunde nicht schon aufgegeben habe, wei\u00df ich immer noch nicht genau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tipp des Chefs nach dem ersten Arbeitstag war f\u00fcr mich: \u00dcbung macht den Meister. Am Abend gab er mir dann die Karte mit und meinte, dass drei Stunden auswendig lernen t\u00e4glich reichen m\u00fcssten. Da sa\u00df ich also, w\u00e4hrend mir der Typ nach dem anstrengendsten Tag, den ich verw\u00f6hntes Vorstadtkind seit Langem erlebt habe, erz\u00e4hlt, dass ich mich in meiner Freizeit am besten noch hinsetzen und die Karte auswendig lernen sollte. Etwas m\u00fcde habe ich da nat\u00fcrlich immer einfach nur brav genickt und zwischendurch immer wieder auf das Banansplit-Eis und den Erdbeerbecher auf der Karte vor mir geguckt, um sicherzugehen, dass der Typ auch wirklich \u00fcber Eis spricht und nicht \u00fcber die gro\u00dfe Liebe seines Lebens. Wie lange ich nach dem ersten Tag ausgehalten habe? Sage und schreibe einen weiteren Tag. Am dritten Tag bin ich mit Kopfschmerzen und Halsschmerzen aufgewacht. Ob Corona, Stress oder \u00dcberarbeitung: Keiner wei\u00df es so genau. Ich habe bei mir selbst einen klaren Fall von \u201eIch habe den falschen Job und sollte k\u00fcndigen\u201c diagnostiziert. Das habe ich am n\u00e4chsten Tag dann auch gemacht. Immerhin habe ich jetzt eine Story f\u00fcr meine Kids \u00fcber die harte Arbeit, die zum Leben dazugeh\u00f6rt und durch die jeder mal durchmuss. Das mit den zwei Tagen brauchen sie ja nicht wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong class=\"\">Aktueller Gef\u00fchlszustand:&nbsp;<\/strong>Flei\u00dfig auf der Suche nach einem Job, f\u00fcr den ich nichts k\u00f6nnen muss, aber gut bezahlt werde \u2026 Vorschl\u00e4ge und Angebote nehme ich gerne via E-Mail an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 66<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eid Mubarak an alle muslimischen Leser*Innen! Der Fastenmonat Ramadan hat gestern geendet. Abgerundet wird der Monat des Verzichts mit einem gro\u00dfen Fest, das im arabischen Kulturkreis \u201eEid-ul-Fitr\u201c genannt wird. Damit gehen mir auch so langsam meine Ausreden daf\u00fcr aus, Dinge aufzuschieben, nicht f\u00fcr die Uni zu lernen oder weiter flei\u00dfig an dieser Kolumne zu schreiben. Heute daher also ein festliches Update.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade sitze ich im Zug zur\u00fcck nach Bonn. Mit Maske im Gesicht schreibt es sich definitiv nicht leichter, aber Regeln sind Regeln. Also ziehe ich die Maske nur zwischendurch klammheimlich runter, um kurz nach Luft zu schnappen. Ich f\u00fchle mich immer sehr draufg\u00e4ngerisch dabei. Trotz Maske und l\u00e4ngerer Zugfahrt bin ich allerdings trotzdem ziemlich gl\u00fccklich. Das Fest habe ich in meiner Heimatstadt zusammen mit meiner Familie gefeiert und so anders als sonst hat es sich gar nicht angef\u00fchlt. Was nat\u00fcrlich weggefallen ist, ist das pr\u00e4gende Festgebet am Morgen in der Moschee, was wir allerdings gemeinsam zu Hause verrichtet haben. Aber das leckere Essen, die lustige Geselligkeit, das heimlich zugesteckte Geld von Verwandten: Das alles hat sich auch in der Quarant\u00e4ne bew\u00e4hrt. Normalerweise w\u00fcrden wir sicher noch mehr Freunde und Bekannte besuchen und bei uns zu Hause willkommen hei\u00dfen, aber Qualit\u00e4t geht bekanntlich \u00fcber Quantit\u00e4t. Beschweren kann ich mich also nicht. Au\u00dferdem hat meine Gro\u00dfmutter Couscous gekocht, weswegen ich mich heute vermutlich sowieso f\u00fcr eine Weile \u00fcber weniger beschweren werde als sonst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wohl tollste Nebeneffekt vom Ausziehen und alleine Wohnen ist die Tatsache, dass man von jedem eingepacktes Essen mitkriegt. Momentan ist also nicht nur mein Magen mit s\u00fc\u00dfen Kleinigkeiten und Couscous gef\u00fcllt, sondern auch meine Taschen. Also ja, die Maske, die ich gerade tragen muss, ist ziemlich \u00e4tzend und auf das \u00fcberspitzte Lachen der Frauen ein paar Sitze vor mir w\u00fcrde ich gerade auch ganz gerne verzichten, aber der Gedanke an die Portion Couscous in meiner Tasche stimmt mich wieder sehr positiv. Durch das Bahnfenster kann ich sehen, dass die Sonne gerade untergeht. Ein toller und trotz Corona sehr festlicher Tag, an dem ich die marokkanische K\u00fcche einmal mehr wertsch\u00e4tzen lernen konnte, neigt sich langsam seinem Ende zu. Dass mich morgen fr\u00fch wieder eine Vorlesung und der niemals enden wollende Unistoff erwarten, kann an diesem Tag auch nichts kaputtmachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage:<\/strong> Das Gef\u00fchl, das man fr\u00fcher hatte, wenn man bei Omi wieder viel zu viel zu Abend gegessen hat, frisch gebadet vor dem Fernseher sa\u00df und Sandm\u00e4nnchen vor dem Schlafengehen gucken durfte.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 53<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">TikTok TikTok ist alles, was ich gerade h\u00f6re. Und nein, ich ziehe mir gerade nicht den ber\u00fchmten Kesha Hit rein oder bin auf der Lieblingsplattform meiner j\u00fcngeren Schwester unterwegs, sondern sitze um 1 Uhr morgens in der WG-K\u00fcche und versuche Defintionen f\u00fcr mein Studium auswendig zu lernen. Wenn dich das Ticken der Uhr ablenkt, wei\u00dft du, das der Stoff wirklich z\u00e4h ist!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber fangen wir von vorne an, einige Stunden vorher. Ein typischer Tag beginnt bei mir momentan gegen 11 oder 12 Uhr. Dann wache ich langsam auf, putze mir die Z\u00e4hne und gehe in die K\u00fcche, um zu fr\u00fchst\u00fccken. Dann f\u00e4llt mir, w\u00e4hrend ich gerade in der Pfanne ein R\u00fchrei anbrate, ein, dass ich ja faste. Also Herd aus und weg mit dem R\u00fchrei. Zur\u00fcck ins Bett. Manchmal versuche ich mich an einem von den neuerdings \u00fcberall kursierenden 10 Minuten Workouts. Nach der zweiten \u00dcbung gucke ich dann meistens nur noch zu, aber ich finde, das ist auch schon mehr als genug. Es ist schlie\u00dflich der Gedanke, der z\u00e4hlt. Bis vier oder f\u00fcnf Uhr passiert nicht viel mehr au\u00dfer von Youtube auf Snapchat und von Snapchat auf Instagram wechseln. Wenn eines an meinem K\u00f6rper summerready ist, dann meine Finger, so viel ist klar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach versuche ich meistens ein bisschen was f\u00fcr die Uni zu machen, wobei ich immer mal wieder f\u00fcr eine Stunde zur\u00fcck in den Mikrokosmus meines Handys gezogen werde. Aus dem Lesen einer Whatsappnachricht werden schnell zwei Stunden auf Youtube. Dort gefallen mir w\u00e4hrend des Ramadans vor allem Kochvideos und Mok-Bangs. F\u00fcr manche klingt das vielleicht nach freiwilligen Qualen, aber es hilft erstaunlich gut gegen den Hunger. Und dann, irgendwann gegen 9 Uhr, ist es so weit und ich kann mein Fasten brechen. Danach hei\u00dft es: Kaffee aufbr\u00fchen und ran an den Unistoff, um so viel wie m\u00f6glich zu erledigen. Um 4 Uhr morgens ist die Essensphase vorbei und ich gehe dann gegen 5 Uhr auch schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sitze ich hier also und versuche mir juristische Begriffe einzupr\u00e4gen w\u00e4hrend die Uhr tickt. Der aktuelle eint\u00f6nige Corona-Alltag ist wirklich nicht sehr interessant, abwechslungsreich erst recht nicht. Ich bin langsam aber sicher bereit f\u00fcr ein Ende von dieser Ausnahmesituation!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage: <\/strong>Zu 10000000 Prozent gelangweilt!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 49<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann mich noch an die Tage erinnern, an denen die Kontaktsperre einen zwar betr\u00fcbt hat, aber der Supermarkteinkauf einem den ganzen Tag vers\u00fc\u00dft hat. Ein bisschen sch\u00e4me ich mich zwar das zuzugeben, aber ich habe mich definitiv fertiggemacht um die Gurken aus dem Edeka zu holen. Sogar zwei Parf\u00fcmspritzer waren da manchmal drin. Mittlerweile ist aber selbst diese kleine Freude verblasst, da ein Gesch\u00e4ft voller von Masken verdeckter Gesichter ehrlich gesagt eher gruselig als trostspendend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einkaufen gehe ich aber dennoch immer noch sehr gerne, denn die Fastenzeit macht das Essen am Abend zu einem Highlight, auf das man den ganzen Tag hinfiebert. Es hei\u00dft eigentlich, dass man nie hungrig einkaufen gehen sollte. Das meinte zumindest der Fitness-Bodybuilder Typ, der mir in einer Youtube Werbeanzeige erkl\u00e4rt hat, wie ich f\u00fcr schlappe 60 Euro monatlich den perfekten Summerbody kriege. Diese Regel ist aber im Ramadan offiziell ausgesetzt. Mein Edeka um die Ecke ist also nicht mehr nur ein Edeka, sondern ein Paradies voller unz\u00e4hliger M\u00f6glichkeiten. Tacos? Reis mit H\u00e4hnchen? Oder Pasta? Man k\u00f6nnte alles essen und als Fastender ist man davon \u00fcberzeugt, dass man das alles am Besten auch am gleichen Abend isst. Am Ende reicht es zwar h\u00f6chstens f\u00fcr eine Suppe und etwas Salat, aber die Vorfreude den ganzen Tag \u00fcber ist mindestens genauso sch\u00f6n. Das versuche ich mir zumindest mit Blick auf das in nur einer Woche f\u00fcr Essen ausgegebene Geld immer wieder einzureden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage:<\/strong> Ready for Iftar!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 47<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So, da bin ich wieder. Im Pyjama, auf meinem Bett, den Laptop auf meinem Scho\u00df. M\u00fcsste ich ein Bild aussuchen, um meine Quarant\u00e4ne-Zeit zu beschreiben, dann w\u00fcrde ich exakt dieses w\u00e4hlen. Oder vielleicht ein Foto von mir um 0:00 Uhr, wie ich den K\u00fchlschrank auf der Suche nach einem guten Mitternachtssnack durchforste. In den zahlreichen Memes \u00fcber die Essenslust, die aus der Langeweile entw\u00e4chst, erkenne auch ich mich in fast jedem einzelnen wieder. Allerdings hat vor ungef\u00e4hr einer Woche der Monat Ramadan angefangen. Ich bin muslimisch und nehme daher daran teil. Tags\u00fcber bei Langeweile einfach kurz ein Erdnussbutterbrot schmieren ist also gerade nicht mehr drin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitternachtssnacks allerdings zum Gl\u00fcck schon. Ganz kurz f\u00fcr diejenigen, die sich mit dem Ramadan nicht so gut auskennen: Fastenmonat hei\u00dft bei uns nicht wie bei den Christen, dass wir auf bestimmte Dinge verzichten, sondern dass wir von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Von circa 21 Uhr am Abend bis ungef\u00e4hr 4 Uhr am n\u00e4chsten Morgen kann ich also so viel essen, wie ich will, und alles nachholen, was ich tags\u00fcber nur mit sehnsuchtsvollem Blick bewundern darf. Ein simples Prinzip und dieses Jahr f\u00fcr mich auch erstaunlich leicht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings ist es erschreckend zu merken, wie oft wir nichts zu tun haben und deswegen ans Essen denken. Ohne diesen st\u00fcndlichen Ausflug zum K\u00fchlschrank bleibt gef\u00fchlt ziemlich viel Zeit \u00fcbrig, weswegen ich mich momentan sehr effektiv f\u00fchle. Vermutlich w\u00fcrde man eher das Gegenteil erwarten und von einer 24\/7 Hangry-Tess ausgehen. Da der Monat sich aber vor allem um die St\u00e4rkung des Charakters, des Willens und die Barmherzigkeit anderen Menschen gegen\u00fcber dreht, passiert eher das Gegenteil und ich versuche, an meinem Verst\u00e4ndnis und meiner Geduld zu arbeiten. Obwohl ich gestehen muss, dass mich Kleinigkeiten wie laut tropfende Wasserh\u00e4hne und Staubflecken an wei\u00dfen W\u00e4nden mittlerweile doch ungewohnt stark reizen. Gut, dass ich t\u00e4glich einen Haufen neuen Unistoff bekomme, der mich von all den anderen Alltagsproblemen und meinem knurrenden Mage ablenken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuelle Gef\u00fchlslage:<\/strong> Etwas \u00fcberfordert mit dem Corona-Semesterbeginn.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 35<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach l\u00e4ngerer Zeit melde ich mich endlich wieder zur\u00fcck! Seit meinem letzten \u201eMerhaba aus der Quarant\u00e4ne\u201c hat sich auch so einiges ver\u00e4ndert. Mittlerweile hat das Semester angefangen und ich bin in meine Studienstadt Bonn zur\u00fcckgefahren. Das Semester l\u00e4uft zwar online, aber einfach f\u00fcr das Feeling sitze ich doch lieber in der WG. Bei mir im Kinderzimmer, eingekesselt von meinen pinken W\u00e4nden, kommt das Studi-Feeling einfach nicht richtig auf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund f\u00fcr die l\u00e4ngere Pause war eine sehr stressige Hausarbeitsphase. Es war meine erste Hausarbeit, und Corona hat das Ganze nicht unbedingt erleichtert. Wie man ein gut gef\u00fclltes Quellenverzeichnis ohne ge\u00f6ffnete Bibliotheken erstellen soll ist zwar eine berechtigte Frage, eine richtige Antwort erh\u00e4lt man auf der Fakult\u00e4ts-Website aber nicht. Versucht habe ich es trotzdem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile konnte ich aber endlich auf \u201eSenden\u201c dr\u00fccken und die fertige Hausarbeit abschicken. Die Abgabe hat sich ein bisschen so angef\u00fchlt, als w\u00fcrde ich einem Fremden mein etwas verkorkstes, aber meiner Meinung nach trotzdem absolut liebenswertes Kind \u00fcberreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem bin ich um einiges optimistischer und konnte den Hausarbeitsstress zusammen mit der Abgabe endlich hinter mir lassen. Zeit zum Aufatmen und um sich mit einer Chipst\u00fcte und Netflix im Bett zu verstecken war leider trotzdem nicht. Stattdessen bewegt sich mein Leben gerade zwischen Telefonkonferenzen und Zoom &#8230; und okay, etwas Netflix ist schon noch drin, ganz so enthaltsam bin ich dann doch nicht. Und im Bett bin ich ehrlich gesagt auch ziemlich oft. Mit Chips. Naja, es sind die Gesunden aus dem DM und ich bin vor der Vorlesung ins Bad gegangen und habe meine Z\u00e4hne geputzt. Mit geputzten Z\u00e4hnen sitze ich also im Bett und lese im Chat, wie sich ein paar Mitstudenten anfeinden oder zwei Kommilitonen ein Date f\u00fcr die Zeit nach der Pandemie ausmachen. Und der Professor, mittendrin, versucht seinen Bildschirm zu teilen, was dank der Hilfe von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern dann auch irgendwann klappt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz einiger anf\u00e4nglicher Schwierigkeiten muss ich zugeben, dass das Online-Semester gar nicht mehr so aussichtslos wirkt wie vor einigen Wochen. Gar nicht so schlimm wie erwartet im Pyjama den Laptop aufzuklappen und sich ein bisschen vom Professor berieseln zu lassen. Vielleicht wird das ja doch noch was mit dieser \u201edigitalen Lehre\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong> Erleichterung pur plus ein paar Quarant\u00e4nekilos mehr auf den H\u00fcften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 23<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute kann ich tats\u00e4chlich mit etwas guter Laune \u00fcberzeugen. Ja, sogar f\u00fcr ein L\u00e4cheln k\u00f6nnte es reichen! Mittlerweile habe ich es geschafft, meine Sicht auf die aktuelle Lage ein wenig zu \u00e4ndern. Eine Sache, die ich verstanden habe, ist zum Beispiel, dass wir gar keiner absoluten \u201eAusgangssperre\u201c unterliegen. Genau genommen ist rausgehen nicht verboten &#8211; solange man den n\u00f6tigen Sicherheitsabstand zu fremden Mitmenschen einh\u00e4lt. In meiner Gegend gibt es sowieso nicht allzu viele Individuen der Spezies \u201eMensch\u201c. Daf\u00fcr aber umso mehr Felder, Landstra\u00dfen und Pferde. Genau, Pferde: Vier davon habe ich auf meiner Fahrradtour mit meiner kleinen Schwester schon gez\u00e4hlt. Naja, niedlicher als Autos sind die Vierbeiner auf jeden Fall, also ich beschwere mich da mal nicht. Nach einem kurzen anerkennenden Nicken zum Reiter schweift mein Blick weiter nach rechts auf ein Erdbeerfeld. Die frische Luft habe ich echt vermisst. H\u00e4tte ich gar nicht erwartet! Sonst nahm ich Sauerstoff eigentlich ganz selbstverst\u00e4ndlich auf dem Weg von der Bahn zu meiner n\u00e4chsten Station im Pr\u00e4-Corona-Alltags mit. Wirklich durchatmen kommt da manchmal zu kurz. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist gerade 14 Uhr. Die Sonne scheint. Und ich cruise zwischen Feldern und Pferden durch die Gegend. Es k\u00f6nnte schlimmer sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong><\/em><strong> <\/strong>Dankbar f\u00fcr die untersch\u00e4tzten, aber wichtigen Dinge\u2026 wie zum Beispiel Sauerstoff. An der Stelle mal kurz: Danke B\u00e4ume, ihr macht da echt einen nicen Job!<\/p>\n\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tag 16<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe gelesen, dass Ordnung und Struktur das beste Mittel gegen Ungewissheit und Panik in Ausnahmesituationen sind. Wahrscheinlich erwartet die Uni deshalb auch, dass man trotz geschlossener Bibliotheken Hausarbeiten zu Ende schreibt. Die dreischrittige Anleitung auf der Internetseite der Fakult\u00e4t sollte den Umgang mit den Online-Literaturforen schlie\u00dflich zur Gen\u00fcge erkl\u00e4ren. Und was ist mit denen, die das nicht verstehen oder bei denen es aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht klappt? Darauf hat das FAQ zur aktuellen Situation leider keine Antwort. Naja, Deadlines geh\u00f6ren somit wieder ganz regul\u00e4r zu meinem Alltag. Ein Gl\u00fcck, was h\u00e4tte ich ohne die blo\u00df getan? Vermutlich geben auch deswegen die Schulen meiner Schwester so viele Hausaufgaben auf, als w\u00e4re es das ultimative Ziel, das Abitur coronabedingt ein paar Jahre fr\u00fcher zu schreiben. Wir erinnern uns: Ganz normal soll das hier weitergehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNormal\u201c. Das eigentlich unkomplizierte Wort hat in den letzten Wochen gesellschaftlich irgendwie eine etwas neue Bedeutung bekommen. Alles immer Auslegungssache, deswegen mache ich es mir ganz leicht und googele es. Der Duden definiert den Begriff als \u201eder Norm entsprechend\u201c und \u201evorschriftsm\u00e4\u00dfig\u201c. Daran hat auch Corona nichts ver\u00e4ndert, also sollte man sich wohl \u201eder Norm entsprechend\u201c verhalten. Demnach sollte ich jetzt vermutlich fr\u00fchst\u00fccken, richtig? Ist schlie\u00dflich mittlerweile 1 Uhr, langsam wird es Zeit. Heute bin ich schon um 12 Uhr wach geworden. Habe mir daf\u00fcr extra einen Wecker gestellt, weil ich fr\u00fch aufwachen wollte, um etwas f\u00fcr die Uni zu schaffen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg in Richtung K\u00fcche komme ich an unserem Flurspiegel vorbei und betrachte darin meine Standarduniform der letzten Woche: Zwei \u00e4u\u00dferst s\u00fc\u00dfe Kuschelsocken mit Entenaufdruck und ein ultraschicker Benjamin Bl\u00fcmchen-Pyjama. So ganz passt der Pyjama mir nicht mehr, weil ich leider vergessen habe, genug Anziehsachen mitzunehmen, als ich nach Hause zur\u00fcckgekommen bin. Was soll\u2019s, was mir mit 14 gepasst hat, das passt auch jetzt noch irgendwie. Bauchfrei ist au\u00dferdem voll in. Trotzdem frage ich mich: Kann man so ein Outfit noch \u201evorschriftsm\u00e4\u00dfig\u201c nennen? Schwere Sache, aber genau genommen werden durch die aktuellen Pandemiema\u00dfnahmen der Regierung nur Ansammlungen von mehr als zwei Personen bestraft \u2013 das Treffen von Benjamin Bl\u00fcmchen und den Enten auf meinem Look des Tages halten sich also noch voll im Rahmen. &nbsp;Zufrieden laufe&nbsp; ich weiter, um mein Fr\u00fchst\u00fcck vorzubereiten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand:<\/strong> Wenn ich zu einer weiteren Corona-Instagram-Challenge herausgefordert werde, k\u00f6nnte es sein, dass mein Geduldsfaden endg\u00fcltig rei\u00dft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tag 14<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abwarten und Chai trinken \u2013 unter diesem Motto sitze ich momentan zu Hause und starre die W\u00e4nde an. Oder die Netflix-Startseite. Abwechslung muss schlie\u00dflich auch mal sein. Es ist Quarant\u00e4ne-Tag \u2026 Ich wei\u00df ehrlich gesagt gar nicht mehr, beim wievielten Tag wir mittlerweile sind. Ich war nie so gut mit Zahlen. Eigentlich w\u00e4re es eine tolle Idee, wenn es einen Online-Quarant\u00e4ne- Tracker g\u00e4be. Dann w\u00fcsste man wenigstens, wie viel Zeit man im Bett liegend verbracht hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausschlafen\nwar bei mir in den letzten Monaten eigentlich nie drin. Erst ankommen in der\nneuen Unistadt, dann Pr\u00fcfungsstress und schlie\u00dflich Hausarbeitsphase. Mein\nAlltag war vor Corona von neuen Erfahrungen und schlaflosen N\u00e4chten gepr\u00e4gt.\nJetzt sitze ich zu Hause, scrolle durch meine Snapchatmemories und trauere\nsogar den langen Lernn\u00e4chten mit meinen Freunden nach. Bis 23 Uhr B\u00fccher w\u00e4lzen\nh\u00f6rt sich pl\u00f6tzlich \u00fcberraschend verlockend an. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz sch\u00f6n\nseltsam: In den letzten Wochen konnte ich die neu gewonnene Freiheit als Ersti\ngenie\u00dfen und war mit einer eigenen Wohnung auf dem besten Weg in Richtung \u201eErwachsenwerden\u201c.\nJetzt sitze ich wieder an meinem Schreibtisch in meinem Zimmer im Haus meiner\nEltern. Im Raum nebenan streiten meine Schwestern sich um einen Buntstift.\nDurch das Fenster sehe ich meinen Vater den Rasen unseres Gartens m\u00e4hen. Und\nmeine Mutter diskutiert so laut am Telefon, als wollte sie die Distanz zu ihrem\nGespr\u00e4chspartner mit der schieren Lautst\u00e4rke ihrer Stimme \u00fcberqueren. Wer h\u00e4tte\ngedacht, dass eine weltweite Pandemie die erwachsene Tess zur\u00fcck in ihr\nTeenager-Ich &nbsp;katapultieren w\u00fcrde?\nMomentan f\u00fchle ich mich ein bisschen wie in einer Art Traumwandlerzustand, in\ndem ich zwar noch so wie vorher existiere, aber die Sachen, die davor wichtig waren,\nes pl\u00f6tzlich nicht mehr sind. Deadlines? Was f\u00fcr Deadlines? Werde ich in ein\npaar Wochen in den regul\u00e4ren Unialltag zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen? Wird sich das jetzt\nnoch mehrere Monate ziehen? Keiner hat da wirklich eine Antwort drauf. Fakt\nist: Andere in Gefahr bringen m\u00f6chte ich nicht, aber meine Unifreunde\nwiedersehen und ganz normal weiterstudieren, das w\u00fcrde ich m\u00f6glichst bald schon\nsehr gerne wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Aktueller Gef\u00fchlszustand: <\/strong>eine ordentliche Portion Ungewissheit gepaart mit Problemen, die Sache als neue Realit\u00e4t annehmen zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Updates aus dem Corona-Alltag liefert uns Jugendreporterin Tess. 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