Ehrgeiz, Glaube und Training sind wichtig, um als Wasserball-Spieler erfolgreich zu werden, sagt Maurice Jüngling. Ein Interview mit dem Nationalspieler
Von Maximilian Borisovsky, Klasse 8a, Berlin International School

Der aktuelle Wasserball-Nationalspieler Maurice Jüngling ist bereits mit elf Jahren ein begeisterter Sportler. Schon als Teenager zeigte der heute 27-Jährige seine verborgenen Talente in verschiedenen Sportarten. Mit zwölf Jahren bekam Maurice ein unschlagbares Angebot: Torwart bei der Jugend von Hertha BSC. Was aber machte Maurice? Er lehnte ab, und ist bis heute glücklich über seine Entscheidung.

Warum hast du dich damals für Wasserball entschieden?
Wasserball hat mir schon immer am meisten Spaß gemacht! Vor allem war aber meine Mannschaft sehr lustig. Es war einfach cool, mit ihnen zu spielen und abzuhängen. Finanziell gesehen war das wahrscheinlich nicht die klügste Entscheidung, aber ich habe mich damals eben für Wasserball entschieden und rückblickend kann ich sagen, das war die richtige Entscheidung!

Für die, die es nicht wissen: Was ist Wasserball?
Wenn Freunde mir diese Frage stellen, sage ich immer, dass ist so wie Handball bloß im Wasser. Man hat sechs Feldspieler: Rechtsaußen, Rechtshalb, Linksaußen, Linkshalb, Center und Centerverteidiger. Gespielt wird auch in einem Halbkreis, nur halt im Wasser.

Welche Position ist die anspruchsvollste und welche die wichtigste?
Die anspruchsvollste Position hat definitiv der Torwart. Er muss den Ball halten und gleichzeitig auch ein bisschen „verrückt“ sein, denn die Gegenspieler schießen gerne mal mit voller Wucht aus ein bis zwei Meter Entfernung. Das kann sehr schmerzhaft ausgehen. Hat man einen starken Torwart, fällt die Verteidigung viel einfacher aus. Die wichtigste Position hingegen ist schwer auf einen Spieler zu beschränken. Wichtig sind alle Spieler, die Tore schießen.

Welche ist deine Lieblingsposition und warum?
Ich glaube jeder Rechtshänder würde sagen Linkshalb, weil man von dort den besten Winkel hat, um aufs Tor zu schießen. Deswegen ist das auch meine Lieblingsposition. Allerdings spiele ich meistens Rechtshalb oder als Centerverteidiger.

Wie würdest du einen jungen Sportler davon überzeugen mit Wasserball anzufangen?
Das einfachste wäre, dem jungen Sportler ein Spiel der ersten Mannschaft zu zeigen. Dann würde er verstehen, was man alles mit einem Wasserball anstellen kann. Der Sportler muss jedenfalls Spaß am Schwimmen und Ballwerfen haben – Dann gefällt es bestimmt von ganz allein!

Was glaubst du, warum gucken Menschen lieber Fußball als Wasserball?
Fußball hat einen viel größeren Markt. Es wird im Fernsehen regelmäßig gezeigt. Und zwar gefühlt von der ersten bis zur fünften Liga. Es ist der Sport, der in allen Ländern gespielt wird und der überall populär ist.

Welche Sportler würdest du für Wasserball abwerben wollen?
Ich würde Basketballer nehmen. Sie sind sehr groß und athletisch – zwei Hauptmerkmale, die im Wasserball von Vorteil sind. Wenn ich jetzt einen Sportler nennen müsste, dann würde ich LeBron James oder damals noch Michael Jordan nehmen. Beide sind Multitalente des Sports und sie können meiner Meinung nach einfach alles. Vor allem bringen sie die richtige Einstellung mit.Deshalb finde ich, dass sie Wasserball ganz gut hinbekommen müssten.

Wie fühlst du dich als Trainer der U14-Mannschaft?
Es ist super anstrengend, aber es macht mir auch sehr viel Spaß. Die Jungs beim Spielen zu sehen, lässt mich oft an meine eigene Jugend zurückdenken. Zusätzlich habe ich damit eine Abwechslung zu meinem Alltag als Profisportler und ich kann den jungen Spielern meine Erfahrungen weitergeben. Bis jetzt können wir viele Erfolge feiern, was mich natürlich super stolz und glücklich macht.

Welche Sportler siehst du als deine Vorbilder und warum?
Es gibt Sportler, die ich besonders großartig und erfolgreich finde, weil sie mental und körperlich an ihre Grenzen gehen und stets Einsatz zeigen. Dazu gehören: Muhammad Ali, Michael Jordan, LeBron James aber auch Usain Bolt. Jeder in seiner eigenen Sportart einfach Weltklasse.

Wie bereitet sich die Nationalmannschaft auf die WM vor?
Aktuell konzentrieren wir uns mehr auf unsere Vereinsziele wie Champions League und die DWL (Deutsche Wasserball Liga). Einmal im Monat trifft sich die deutsche Nationalmannschaft zu einem Weltliga Spiel. Hier wird intensiv an der Taktik gearbeitet.

Was ist dein nächstes Sport-Ziel?
Ich glaube jeder Sportler – außer Fußballer – wollen irgendwann an den Olympischen Spielen teilnehmen. Leider habe ich es bereits zwei Mal verpasst. Mein nächstes großes Ziel ist es also bei der kommenden Olympiade dabei zu sein.

Was war dein größtes Sporterlebnis?
Das größte Sporterlebnis hatte ich mit 19 Jahren. Da war ich zum ersten Mal bei der Weltmeisterschaft in Barcelona dabei. Damit hätte ich nie gerechnet, weil wir zu diesem Zeitpunkt sehr viele starke Spieler in der Nationalmannschaft hatten. Dass ich in den Kader für die WM gewählt wurde, war demnach ein sehr großer Erfolg für mich. Leider haben wir es nicht unter die ersten acht geschafft – trotzdem ein einzigartiges Erlebnis. Ein weiterer Höhepunkt war zum ersten Mal Deutscher Meister zu werden. Ich war so stolz, ein wichtiger Teil des Teams zu sein und nicht einfach auf der Ersatzbank zu sitzen.

Was für Tipps würdest du jungen Wasserballspielern mitgeben?
Ehrgeiz, Glaube, Training! Ein Wasserballer muss stets am Ball bleiben! Wenn dir jemand sagt, „Du schaffst es eh nicht!“ oder „Du bist zu schlecht!“, nimm das als Motivation, es dir selbst zu beweisen. Verliere nie den Glauben an dich selbst, arbeite hart an dir und trainiere regelmäßig. Und das alles bitte ohne Süßigkeiten!

Beitragsbild: Eugene Lim via Unsplash