Update

Merhaba: Jurastudentin Tess berichtet aus dem persönlichen Lockdown

Tess berichtet von der Umstellung vom Vollzeitstudium auf den neuartigen Nichts-Tun-Lifestyle.
Tess berichtet von der Umstellung vom Vollzeitstudium auf den neuartigen Nichts-Tun-Lifestyle.
Updates aus der Quarantäne liefert uns funky-Jugendreporterin Tess Kadiri. Die Jurastudentin ist eigentlich an Paragraphenpauken und stundenlanges Büffeln in der Unibibliothek gewöhnt, aber Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Wie sie mit der Umstellung vom Vollzeitstudium auf den neuartigen Nichts-Tun-Lifestyle umgeht, erzählt sie uns hier.
Von Tess Kadiri, funky-Reporterin

Tag 66

Eid Mubarak an alle muslimischen Leser*Innen! Der Fastenmonat Ramadan hat gestern geendet. Abgerundet wird der Monat des Verzichts mit einem großen Fest, das im arabischen Kulturkreis „Eid-ul-Fitr“ genannt wird. Damit gehen mir auch so langsam meine Ausreden dafür aus, Dinge aufzuschieben, nicht für die Uni zu lernen oder weiter fleißig an dieser Kolumne zu schreiben. Heute daher also ein festliches Update.

Gerade sitze ich im Zug zurück nach Bonn. Mit Maske im Gesicht schreibt es sich definitiv nicht leichter, aber Regeln sind Regeln. Also ziehe ich die Maske nur zwischendurch klammheimlich runter, um kurz nach Luft zu schnappen. Ich fühle mich immer sehr draufgängerisch dabei. Trotz Maske und längerer Zugfahrt bin ich allerdings trotzdem ziemlich glücklich. Das Fest habe ich in meiner Heimatstadt zusammen mit meiner Familie gefeiert und so anders als sonst hat es sich gar nicht angefühlt. Was natürlich weggefallen ist, ist das prägende Festgebet am Morgen in der Moschee, was wir allerdings gemeinsam zu Hause verrichtet haben. Aber das leckere Essen, die lustige Geselligkeit, das heimlich zugesteckte Geld von Verwandten: Das alles hat sich auch in der Quarantäne bewährt. Normalerweise würden wir sicher noch mehr Freunde und Bekannte besuchen und bei uns zu Hause willkommen heißen, aber Qualität geht bekanntlich über Quantität. Beschweren kann ich mich also nicht. Außerdem hat meine Großmutter Couscous gekocht, weswegen ich mich heute vermutlich sowieso für eine Weile über weniger beschweren werde als sonst.

Der wohl tollste Nebeneffekt vom Ausziehen und alleine Wohnen ist die Tatsache, dass man von jedem eingepacktes Essen mitkriegt. Momentan ist also nicht nur mein Magen mit süßen Kleinigkeiten und Couscous gefüllt, sondern auch meine Taschen. Also ja, die Maske, die ich gerade tragen muss, ist ziemlich ätzend und auf das überspitzte Lachen der Frauen ein paar Sitze vor mir würde ich gerade auch ganz gerne verzichten, aber der Gedanke an die Portion Couscous in meiner Tasche stimmt mich wieder sehr positiv. Durch das Bahnfenster kann ich sehen, dass die Sonne gerade untergeht. Ein toller und trotz Corona sehr festlicher Tag, an dem ich die marokkanische Küche einmal mehr wertschätzen lernen konnte, neigt sich langsam seinem Ende zu. Dass mich morgen früh wieder eine Vorlesung und der niemals enden wollende Unistoff erwarten, kann an diesem Tag auch nichts kaputtmachen.

Aktuelle Gefühlslage: Das Gefühl, das man früher hatte, wenn man bei Omi wieder viel zu viel zu Abend gegessen hat, frisch gebadet vor dem Fernseher saß und Sandmännchen vor dem Schlafengehen gucken durfte.

funky Instagram Banner

Tag 53

TikTok TikTok ist alles, was ich gerade höre. Und nein, ich ziehe mir gerade nicht den berühmten Kesha Hit rein oder bin auf der Lieblingsplattform meiner jüngeren Schwester unterwegs, sondern sitze um 1 Uhr morgens in der WG-Küche und versuche Defintionen für mein Studium auswendig zu lernen. Wenn dich das Ticken der Uhr ablenkt, weißt du, das der Stoff wirklich zäh ist!

Aber fangen wir von vorne an, einige Stunden vorher. Ein typischer Tag beginnt bei mir momentan gegen 11 oder 12 Uhr. Dann wache ich langsam auf, putze mir die Zähne und gehe in die Küche, um zu frühstücken. Dann fällt mir, während ich gerade in der Pfanne ein Rührei anbrate, ein, dass ich ja faste. Also Herd aus und weg mit dem Rührei. Zurück ins Bett. Manchmal versuche ich mich an einem von den neuerdings überall kursierenden 10 Minuten Workouts. Nach der zweiten Übung gucke ich dann meistens nur noch zu, aber ich finde, das ist auch schon mehr als genug. Es ist schließlich der Gedanke, der zählt. Bis vier oder fünf Uhr passiert nicht viel mehr außer von Youtube auf Snapchat und von Snapchat auf Instagram wechseln. Wenn eines an meinem Körper summerready ist, dann meine Finger, so viel ist klar.

Danach versuche ich meistens ein bisschen was für die Uni zu machen, wobei ich immer mal wieder für eine Stunde zurück in den Mikrokosmus meines Handys gezogen werde. Aus dem Lesen einer Whatsappnachricht werden schnell zwei Stunden auf Youtube. Dort gefallen mir während des Ramadans vor allem Kochvideos und Mok-Bangs. Für manche klingt das vielleicht nach freiwilligen Qualen, aber es hilft erstaunlich gut gegen den Hunger. Und dann, irgendwann gegen 9 Uhr, ist es so weit und ich kann mein Fasten brechen. Danach heißt es: Kaffee aufbrühen und ran an den Unistoff, um so viel wie möglich zu erledigen. Um 4 Uhr morgens ist die Essensphase vorbei und ich gehe dann gegen 5 Uhr auch schlafen.

So sitze ich hier also und versuche mir juristische Begriffe einzuprägen während die Uhr tickt. Der aktuelle eintönige Corona-Alltag ist wirklich nicht sehr interessant, abwechslungsreich erst recht nicht. Ich bin langsam aber sicher bereit für ein Ende von dieser Ausnahmesituation!

Aktuelle Gefühlslage: Zu 10000000 Prozent gelangweilt!

Tag 49

Ich kann mich noch an die Tage erinnern, an denen die Kontaktsperre einen zwar betrübt hat, aber der Supermarkteinkauf einem den ganzen Tag versüßt hat. Ein bisschen schäme ich mich zwar das zuzugeben, aber ich habe mich definitiv fertiggemacht um die Gurken aus dem Edeka zu holen. Sogar zwei Parfümspritzer waren da manchmal drin. Mittlerweile ist aber selbst diese kleine Freude verblasst, da ein Geschäft voller von Masken verdeckter Gesichter ehrlich gesagt eher gruselig als trostspendend ist.

Einkaufen gehe ich aber dennoch immer noch sehr gerne, denn die Fastenzeit macht das Essen am Abend zu einem Highlight, auf das man den ganzen Tag hinfiebert. Es heißt eigentlich, dass man nie hungrig einkaufen gehen sollte. Das meinte zumindest der Fitness-Bodybuilder Typ, der mir in einer Youtube Werbeanzeige erklärt hat, wie ich für schlappe 60 Euro monatlich den perfekten Summerbody kriege. Diese Regel ist aber im Ramadan offiziell ausgesetzt. Mein Edeka um die Ecke ist also nicht mehr nur ein Edeka, sondern ein Paradies voller unzähliger Möglichkeiten. Tacos? Reis mit Hähnchen? Oder Pasta? Man könnte alles essen und als Fastender ist man davon überzeugt, dass man das alles am Besten auch am gleichen Abend isst. Am Ende reicht es zwar höchstens für eine Suppe und etwas Salat, aber die Vorfreude den ganzen Tag über ist mindestens genauso schön. Das versuche ich mir zumindest mit Blick auf das in nur einer Woche für Essen ausgegebene Geld immer wieder einzureden.

Aktuelle Gefühlslage: Ready for Iftar!

Tag 47

So, da bin ich wieder. Im Pyjama, auf meinem Bett, den Laptop auf meinem Schoß. Müsste ich ein Bild aussuchen, um meine Quarantäne-Zeit zu beschreiben, dann würde ich exakt dieses wählen. Oder vielleicht ein Foto von mir um 0:00 Uhr, wie ich den Kühlschrank auf der Suche nach einem guten Mitternachtssnack durchforste. In den zahlreichen Memes über die Essenslust, die aus der Langeweile entwächst, erkenne auch ich mich in fast jedem einzelnen wieder. Allerdings hat vor ungefähr einer Woche der Monat Ramadan angefangen. Ich bin muslimisch und nehme daher daran teil. Tagsüber bei Langeweile einfach kurz ein Erdnussbutterbrot schmieren ist also gerade nicht mehr drin.

Mitternachtssnacks allerdings zum Glück schon. Ganz kurz für diejenigen, die sich mit dem Ramadan nicht so gut auskennen: Fastenmonat heißt bei uns nicht wie bei den Christen, dass wir auf bestimmte Dinge verzichten, sondern dass wir von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Von circa 21 Uhr am Abend bis ungefähr 4 Uhr am nächsten Morgen kann ich also so viel essen, wie ich will, und alles nachholen, was ich tagsüber nur mit sehnsuchtsvollem Blick bewundern darf. Ein simples Prinzip und dieses Jahr für mich auch erstaunlich leicht.

Allerdings ist es erschreckend zu merken, wie oft wir nichts zu tun haben und deswegen ans Essen denken. Ohne diesen stündlichen Ausflug zum Kühlschrank bleibt gefühlt ziemlich viel Zeit übrig, weswegen ich mich momentan sehr effektiv fühle. Vermutlich würde man eher das Gegenteil erwarten und von einer 24/7 Hangry-Tess ausgehen. Da der Monat sich aber vor allem um die Stärkung des Charakters, des Willens und die Barmherzigkeit anderen Menschen gegenüber dreht, passiert eher das Gegenteil und ich versuche, an meinem Verständnis und meiner Geduld zu arbeiten. Obwohl ich gestehen muss, dass mich Kleinigkeiten wie laut tropfende Wasserhähne und Staubflecken an weißen Wänden mittlerweile doch ungewohnt stark reizen. Gut, dass ich täglich einen Haufen neuen Unistoff bekomme, der mich von all den anderen Alltagsproblemen und meinem knurrenden Mage ablenken kann.

Aktuelle Gefühlslage: Etwas überfordert mit dem Corona-Semesterbeginn.

Tag 35

Nach längerer Zeit melde ich mich endlich wieder zurück! Seit meinem letzten „Merhaba aus der Quarantäne“ hat sich auch so einiges verändert. Mittlerweile hat das Semester angefangen und ich bin in meine Studienstadt Bonn zurückgefahren. Das Semester läuft zwar online, aber einfach für das Feeling sitze ich doch lieber in der WG. Bei mir im Kinderzimmer, eingekesselt von meinen pinken Wänden, kommt das Studi-Feeling einfach nicht richtig auf.

Der Grund für die längere Pause war eine sehr stressige Hausarbeitsphase. Es war meine erste Hausarbeit, und Corona hat das Ganze nicht unbedingt erleichtert. Wie man ein gut gefülltes Quellenverzeichnis ohne geöffnete Bibliotheken erstellen soll ist zwar eine berechtigte Frage, eine richtige Antwort erhält man auf der Fakultäts-Website aber nicht. Versucht habe ich es trotzdem.

Mittlerweile konnte ich aber endlich auf „Senden“ drücken und die fertige Hausarbeit abschicken. Die Abgabe hat sich ein bisschen so angefühlt, als würde ich einem Fremden mein etwas verkorkstes, aber meiner Meinung nach trotzdem absolut liebenswertes Kind überreichen.

Seitdem bin ich um einiges optimistischer und konnte den Hausarbeitsstress zusammen mit der Abgabe endlich hinter mir lassen. Zeit zum Aufatmen und um sich mit einer Chipstüte und Netflix im Bett zu verstecken war leider trotzdem nicht. Stattdessen bewegt sich mein Leben gerade zwischen Telefonkonferenzen und Zoom … und okay, etwas Netflix ist schon noch drin, ganz so enthaltsam bin ich dann doch nicht. Und im Bett bin ich ehrlich gesagt auch ziemlich oft. Mit Chips. Naja, es sind die Gesunden aus dem DM und ich bin vor der Vorlesung ins Bad gegangen und habe meine Zähne geputzt. Mit geputzten Zähnen sitze ich also im Bett und lese im Chat, wie sich ein paar Mitstudenten anfeinden oder zwei Kommilitonen ein Date für die Zeit nach der Pandemie ausmachen. Und der Professor, mittendrin, versucht seinen Bildschirm zu teilen, was dank der Hilfe von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern dann auch irgendwann klappt.

Trotz einiger anfänglicher Schwierigkeiten muss ich zugeben, dass das Online-Semester gar nicht mehr so aussichtslos wirkt wie vor einigen Wochen. Gar nicht so schlimm wie erwartet im Pyjama den Laptop aufzuklappen und sich ein bisschen vom Professor berieseln zu lassen. Vielleicht wird das ja doch noch was mit dieser „digitalen Lehre“.

Aktueller Gefühlszustand: Erleichterung pur plus ein paar Quarantänekilos mehr auf den Hüften.

Tag 23

Heute kann ich tatsächlich mit etwas guter Laune überzeugen. Ja, sogar für ein Lächeln könnte es reichen! Mittlerweile habe ich es geschafft, meine Sicht auf die aktuelle Lage ein wenig zu ändern. Eine Sache, die ich verstanden habe, ist zum Beispiel, dass wir gar keiner absoluten „Ausgangssperre“ unterliegen. Genau genommen ist rausgehen nicht verboten – solange man den nötigen Sicherheitsabstand zu fremden Mitmenschen einhält. In meiner Gegend gibt es sowieso nicht allzu viele Individuen der Spezies „Mensch“. Dafür aber umso mehr Felder, Landstraßen und Pferde. Genau, Pferde: Vier davon habe ich auf meiner Fahrradtour mit meiner kleinen Schwester schon gezählt. Naja, niedlicher als Autos sind die Vierbeiner auf jeden Fall, also ich beschwere mich da mal nicht. Nach einem kurzen anerkennenden Nicken zum Reiter schweift mein Blick weiter nach rechts auf ein Erdbeerfeld. Die frische Luft habe ich echt vermisst. Hätte ich gar nicht erwartet! Sonst nahm ich Sauerstoff eigentlich ganz selbstverständlich auf dem Weg von der Bahn zu meiner nächsten Station im Prä-Corona-Alltags mit. Wirklich durchatmen kommt da manchmal zu kurz.

Es ist gerade 14 Uhr. Die Sonne scheint. Und ich cruise zwischen Feldern und Pferden durch die Gegend. Es könnte schlimmer sein.

Aktueller Gefühlszustand: Dankbar für die unterschätzten, aber wichtigen Dinge… wie zum Beispiel Sauerstoff. An der Stelle mal kurz: Danke Bäume, ihr macht da echt einen nicen Job!

funky Instagram Banner

Tag 16

Ich habe gelesen, dass Ordnung und Struktur das beste Mittel gegen Ungewissheit und Panik in Ausnahmesituationen sind. Wahrscheinlich erwartet die Uni deshalb auch, dass man trotz geschlossener Bibliotheken Hausarbeiten zu Ende schreibt. Die dreischrittige Anleitung auf der Internetseite der Fakultät sollte den Umgang mit den Online-Literaturforen schließlich zur Genüge erklären. Und was ist mit denen, die das nicht verstehen oder bei denen es aus unerfindlichen Gründen nicht klappt? Darauf hat das FAQ zur aktuellen Situation leider keine Antwort. Naja, Deadlines gehören somit wieder ganz regulär zu meinem Alltag. Ein Glück, was hätte ich ohne die bloß getan? Vermutlich geben auch deswegen die Schulen meiner Schwester so viele Hausaufgaben auf, als wäre es das ultimative Ziel, das Abitur coronabedingt ein paar Jahre früher zu schreiben. Wir erinnern uns: Ganz normal soll das hier weitergehen.

„Normal“. Das eigentlich unkomplizierte Wort hat in den letzten Wochen gesellschaftlich irgendwie eine etwas neue Bedeutung bekommen. Alles immer Auslegungssache, deswegen mache ich es mir ganz leicht und googele es. Der Duden definiert den Begriff als „der Norm entsprechend“ und „vorschriftsmäßig“. Daran hat auch Corona nichts verändert, also sollte man sich wohl „der Norm entsprechend“ verhalten. Demnach sollte ich jetzt vermutlich frühstücken, richtig? Ist schließlich mittlerweile 1 Uhr, langsam wird es Zeit. Heute bin ich schon um 12 Uhr wach geworden. Habe mir dafür extra einen Wecker gestellt, weil ich früh aufwachen wollte, um etwas für die Uni zu schaffen.

Auf dem Weg in Richtung Küche komme ich an unserem Flurspiegel vorbei und betrachte darin meine Standarduniform der letzten Woche: Zwei äußerst süße Kuschelsocken mit Entenaufdruck und ein ultraschicker Benjamin Blümchen-Pyjama. So ganz passt der Pyjama mir nicht mehr, weil ich leider vergessen habe, genug Anziehsachen mitzunehmen, als ich nach Hause zurückgekommen bin. Was soll’s, was mir mit 14 gepasst hat, das passt auch jetzt noch irgendwie. Bauchfrei ist außerdem voll in. Trotzdem frage ich mich: Kann man so ein Outfit noch „vorschriftsmäßig“ nennen? Schwere Sache, aber genau genommen werden durch die aktuellen Pandemiemaßnahmen der Regierung nur Ansammlungen von mehr als zwei Personen bestraft – das Treffen von Benjamin Blümchen und den Enten auf meinem Look des Tages halten sich also noch voll im Rahmen.  Zufrieden laufe  ich weiter, um mein Frühstück vorzubereiten.

Aktueller Gefühlszustand: Wenn ich zu einer weiteren Corona-Instagram-Challenge herausgefordert werde, könnte es sein, dass mein Geduldsfaden endgültig reißt.

Tag 14

Abwarten und Chai trinken – unter diesem Motto sitze ich momentan zu Hause und starre die Wände an. Oder die Netflix-Startseite. Abwechslung muss schließlich auch mal sein. Es ist Quarantäne-Tag … Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, beim wievielten Tag wir mittlerweile sind. Ich war nie so gut mit Zahlen. Eigentlich wäre es eine tolle Idee, wenn es einen Online-Quarantäne- Tracker gäbe. Dann wüsste man wenigstens, wie viel Zeit man im Bett liegend verbracht hat.

Ausschlafen war bei mir in den letzten Monaten eigentlich nie drin. Erst ankommen in der neuen Unistadt, dann Prüfungsstress und schließlich Hausarbeitsphase. Mein Alltag war vor Corona von neuen Erfahrungen und schlaflosen Nächten geprägt. Jetzt sitze ich zu Hause, scrolle durch meine Snapchatmemories und trauere sogar den langen Lernnächten mit meinen Freunden nach. Bis 23 Uhr Bücher wälzen hört sich plötzlich überraschend verlockend an.

Ganz schön seltsam: In den letzten Wochen konnte ich die neu gewonnene Freiheit als Ersti genießen und war mit einer eigenen Wohnung auf dem besten Weg in Richtung „Erwachsenwerden“. Jetzt sitze ich wieder an meinem Schreibtisch in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern. Im Raum nebenan streiten meine Schwestern sich um einen Buntstift. Durch das Fenster sehe ich meinen Vater den Rasen unseres Gartens mähen. Und meine Mutter diskutiert so laut am Telefon, als wollte sie die Distanz zu ihrem Gesprächspartner mit der schieren Lautstärke ihrer Stimme überqueren. Wer hätte gedacht, dass eine weltweite Pandemie die erwachsene Tess zurück in ihr Teenager-Ich  katapultieren würde? Momentan fühle ich mich ein bisschen wie in einer Art Traumwandlerzustand, in dem ich zwar noch so wie vorher existiere, aber die Sachen, die davor wichtig waren, es plötzlich nicht mehr sind. Deadlines? Was für Deadlines? Werde ich in ein paar Wochen in den regulären Unialltag zurückkehren können? Wird sich das jetzt noch mehrere Monate ziehen? Keiner hat da wirklich eine Antwort drauf. Fakt ist: Andere in Gefahr bringen möchte ich nicht, aber meine Unifreunde wiedersehen und ganz normal weiterstudieren, das würde ich möglichst bald schon sehr gerne wieder.

Aktueller Gefühlszustand: eine ordentliche Portion Ungewissheit gepaart mit Problemen, die Sache als neue Realität annehmen zu können.

Du willst mehr? Du bekommst mehr!

Tessniem Kadiri

Meine Mutter sagt immer, dass ich spreche bevor ich nachdenke. Wahrscheinlich schreibe ich deswegen auch so gerne. Manchmal hat man so viele Gedanken im Kopf, dass die richtigen Worte länger brauchen, als der Mund sie ausspricht. Genau diese richtigen Worte versuche ich seit einiger Zeit bei funky zu Papier zu bringen. Zeitungen waren zwar nie mein Ding, aber als ich über die Jugendredaktion gestolpert bin, habe ich eine Zeitung gefunden, die ich auch gerne lese. Deswegen schreibe ich für funky: Damit ich morgens etwas anderes zum Lesen habe, als die Rückseite der Cornflakesschachtel.