Influencer auf Instagram machen nicht nur Markenwerbung, sondern beeinflussen die User wie früher Models und Schauspieler.

Federn ohne Hintergrund

Von Leonie Wendt

Bilder von Münzen auf den Schlüsselbeinknochen und Bikini-Models am Strand. Hashtags wie #collarbonechallenge, #thighgap und #bikinibridge. Ein Shotglas an die Lippen saugen und Korsetts tragen wie im 18. Jahrhundert. Das alles verkörpert die Social-Media-Plattform Instagram und vor allem soll eins demonstriert werden: Schönheit durch schlank sein und ein möglichst niedriges Gewicht.
Was auf den ersten Blick aussieht wie eine harmlose App, auf der Fotos hochgeladen werden und sich die Nutzer am Privatleben ihrer Freunde erfreuen, ist in Wahrheit auch der Ursprung von Zwängen und einem krankhaften Körpergefühl.

Die Premium-Version des eigenen Ichs wird auf Instagram gezeigt

Das größte Problem ist die künstliche und falsche Darstellung von Körpermaßen und Lifestyle. Die Instagram-Idole stellen sich als spontan dar und posten „mal eben“ einen Schnappschuss ihres alltäglichen Lebens. In Wahrheit stecken viele Versuche und eine Menge an Bearbeitungsprogrammen hinter dem einen perfekten Foto. Im Feed auf Instagram sind dann oft die Premium-Versionen der Leute zu sehen, die auf dieser Grundlage im echten Leben wahrscheinlich kaum wiederzuerkennen wären.  Ob gewollt oder nicht, viele Nutzer fangen sofort an, sich mit den „perfekten“ Instagrammern zu vergleichen. Doch Fotos sind immer nur Momentaufnahmen.

Während wir uns tagein, tagaus und in jeder Verfassung im Spiegel zu Gesicht bekommen, kennen wir von Instagram-Persönlichkeiten nur die besten und sorgfältig ausgesuchten Bilder. Natürlich ist es dadurch nahezu unmöglich, bei dem Vergleich besser oder überhaupt gut abzuschneiden. Das führt automatisch zu Druck, Stress und dem Bedürfnis, durch Diäten und Sport dem Ideal möglichst nahezukommen. Das Kuriose ist: Uns ist sehr wohl bewusst, dass vieles auf Instagram nur eine hochwertig inszenierte Illusion ist.

Das Gesamtbild, bestehend aus Körperbild, dem perfekten Urlaubsort, der schön dekorierten Wohnung, teuren Klamotten, gesunder Ernährung und dem idealen Fitnessprogram, wird gewollt so perfekt dargestellt. Doch trotzdem wird dieses Schönheitsideal weiterhin angestrebt, vielleicht aus der Hoffnung heraus, es bei sich selbst wahr werden zu lassen.

Instagram und die dadurch entstandenen Berühmtheiten stellen eine Nähe zwischen sich selbst und den Nutzern dar. Idealbilder werden nicht länger von Models in Zeitschriften und in Film und Fernsehen verkörpert, sondern von angeblich „ganz normalen Menschen“, die, wie jeder andere, Teil des alltäglichen Lebens sind.

Es regt sich Widerstand gegen die Perfektion

Neben all den unrealistischen Darstellungen gibt es auf Instagram mittlerweile auch viel Widerstand gegen Perfektion und überspitze Körperideale. Nutzer verwenden die typischen Hashtags, posten aber unbearbeitete Fotos von sich, auf denen auch Makel zu sehen sind. Sie wollen damit zeigen, dass jeder Körper perfekt ist, so wie er ist, und wir uns frei machen sollten von dem Stress, den wir uns durch die falschen Vorbilder selbst machen. Ob solche Gegenaktionen wirklich den gewünschten Effekt haben, ist fraglich. Jedoch steht eines fest: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Über die Serie „Körpergefühle“
Fragen rund um den erwachsen werdenden Körper und die Selbstfindung werden in der Serie „Körpergefühle“ verhandelt. Den Anfang macht die Frage „Was ist schön?“ Im Laufe der nächsten Wochen werden wir uns noch mit Jugendpsychologen unterhalten. Wir werden den Einfluss von Instagram auf das Selbstbild von jungen Menschen analysieren, im Selbsttest herausfinden, ob es wirklich sinnvoll ist, sich nur um sich selbst zu kümmern und Schönheitsideale kommentieren. Viele Befragte gaben in der Online-Umfrage an, sich besser zu fühlen, wenn sie sich gut gestylt haben. Auch in der Natur ist das Phänomen weit verbreitet, insbesondere unter Vögeln. Deswegen schmücken vier Federn jeden Artikel, der zur Serie gehört.

Titelbild: Getty Images